Ein Angebot der NOZ
Ein Artikel der Redaktion

Auftritt in Delmenhorst Tim Fischer zeigt vielstimmige Ein-Mann-Show

Von Jan Eric Fiedler | 22.10.2018, 14:04 Uhr

Für Chansonier Tim Fischer ist die regelmäßige Rückkehr in seine alte Heimat Delmenhorst eine Herzensangelegenheit. Bestens aufgelegt hat er am Sonntagabend das Publikum im Kleinen Haus begeistert.

Auch nach mehr als zwei Stunden abwechslungsreicher Unterhaltung hat das Delmenhorster Publikum noch nicht genug gehabt: Mit enthusiastischem Applaus forderte der ausverkaufte Saal im Kleinen Haus Tim Fischer immer zu weiteren Zugaben auf. Der Chansonier mit Delmenhorster Wurzeln ließ am Sonntag trotz des eher drögen Titels „Die schönen alten Lieder“ keine Langeweile aufkommen.

Schön, alt und böse

„Eigentlich müsste es ja ‚Die bösen alten Lieder‘ heißen“, gab Fischer auch zu Beginn seines Konzerts zu bedenken. Und damit hatte er Recht: Lieder wie Friedrich Holländers „Spötterdämmerung“ oder auch Bertholt Brechts „Mutter Beimlein“ sind gnadenlose Abrechnungen mit Politik und Gesellschaft und trotz ihres Alters noch hochaktuell. Aber auch ernste, düstere Stimmung hatte mit Liedern wie „Komm, großer, schwarzer Vogel“ von Ludwig Hirsch einen festen Platz im Programm.

Stets den richtigen Ton getroffen

Die Kunst Fischers ist es, für jedes Lied in eine eigene Rolle zu schlüpfen. Mal dezent, mal fast übertrieben passt er Mimik, Gestik und Gesang an das neue Stück an. So gelingt es ihm, auch ohne Überleitung von einem traurigen, düsteren Lied zu einem heiteren, ausgelassenen Programmpunkt zu wechseln, ohne dass es unpassend wirkt. Auch wenn es die Texte von Georg Kreisler und Holländer manchmal durchaus zugelassen hätten: Fischer driftete durch seine Rollenwechsel nie ins Alberne ab, sondern traf auch bei der Stimmung der Texte – oft mit einem ironischen Augenzwinkern – stets den richtigen Ton. Durch diese vielen kleinen Rollen wurde der Abend fast zu einer vielstimmigen Ein-Mann-Show, wäre da nicht Pianist Thomas Dörschel gewesen. Dieser harmonisierte perfekt mit Fischer und konnte selbst noch einige Akzente setzen.

Klamaukige Capri-Fischer

Ausflüge in den „Salon“-Hip-Hop mit „Was willste denn in Wien“ von Pigor & Eichhorn oder mit einer klaumaukigen Interpretation der Capri-Fischer in den Schlager rundeten den Abend ab. Das Ergebnis: Erst nach fünf Liedern als Zugabe ließ das Publikum den Entertainer widerwillig von der Bühne. Dieser tauchte im Anschluss aber gleich wieder im Foyer auf, um zusammen mit seinem Bühnenpartner noch Spenden für die Kinderwunschbaum-Aktion zu sammeln.