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„Aus den Akten auf die Bühne“ Schauspieler der Bremer Shakespeare Company am Maxe

Von Tina Spiecker, Tina Spiecker | 10.09.2016, 14:40 Uhr

Die Biografie von Margarete Ries hat die Maxe-Schüler des Jahrgangs zwölf beschäftigt. Dabei ging es um deren Mittäterschaft im NS-Regime.

Opfer oder Täter im Nationalsozialismus? Oder beides? Diese Frage stand während einer szenischen Lesung einer Biografie im Raum, die die teilnehmenden Schüler des Jahrgangs zwölf im Fach Geschichte am Max-Planck-Gymnasium begeistert.

Stellvertretend für das Bremer Uni-Projekt „Aus den Akten auf die Bühne“ erläuterte Anna Mamzer die historischen Hintergründe der von Geschichtsstudenten recherchierten Biografie von Margarete Ries. Die vier SchauspielerInnen der Bremer Shakespeare Company, Peter Lüchinger, Michael Meyer, Petra-Janina Schultz und Erika Spalke, brachten die Fakten als szenische Lesung anschaulich auf die Bühne.

Opfer und Täter gleichermaßen

In der 75-minütigen Lesung ging es um eine junge Frau namens Margarete Ries, die auf der einen Seite ein Opfer des Nationalsozialismus war, sich auf der anderen Seite in ihrer Tätigkeit als „Funktionshäftling“ als Mittäterin eines menschenverachtenden Regimes erwies. Zunächst wurde sie als „Asoziale“ im Jahr 1939 in das KZ Ravensbrück interniert. Nach ihrer Deportation in das KZ Auschwitz im Jahr 1942 wurde sie in der Strafkompanie Budy als Kapo, schließlich sogar als Oberkapo eingesetzt. Durch einen Zufall erkannte sie im Jahr 1948 eine Insassin dieses Straflagers und lies sie auf der Stelle verhaften. Inwieweit sich Margarete Ries als Mittäterin während ihrer Kapo-Zeit schuldig gemacht hat, war die entscheidende Leitfrage für die Schüler, der in einem Workshop am Ende der Veranstaltung nachgegangen wurde. Im Sinne einer Urteilsbildung blieben viele Fragen offen, insbesondere in Hinsicht auf die Glaubwürdigkeit der Zeugen, des Entnazifizierungsverfahrens und des Freispruchs von Margarete Ries.