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Aus Hobby Profession gemacht Delmenhorster schafft als Pyrotechniker Himmelsgemälde

Von Marco Julius | 28.07.2017, 10:41 Uhr

Schon als Kind hat er früh die Liebe zum Feuerwerk entdeckt. Aus dieser Leidenschaft hat Michael Plachetka einen Nebenberuf gemacht.

Der Schwefelgeruch ist der Duftbaum des Pyrotechnikers. Sagt Michael Plachetka. Und er muss es wissen. Schließlich ist er Pyrotechniker. Seit drei Jahren hat er den Schein, der ihn berechtigt, Großfeuerwerke abzubrennen. Den Schwefelgeruch aber, den liebt Plachetka schon viel länger.

Sieben Jahre alt war er, als er mit Omas Geld sein erstes Jugendfeuerwerk kaufte. „Ab da war ich immer heiß auf Silvester“, sagt der 24-Jährige. Über einen Freund der Familie bekam er später Kontakt zu einem Profi. „Als ich 18 Jahre alt war, habe ich zu Silvester eine Show für die ganze Nachbarschaft zusammengestellt“, sagt Plachetka. Rund 1500 Euro hat er damals wohl in die Luft gejagt. Die Nachbarn waren begeistert. Plachetka war nun erst recht Feuer und Flamme für alles was bunt ist, raucht und knallt. Er schätzt, dass er in seinem Leben den Gegenwert eines schönen Autos in die Luft geschossen hat.

Pyrotechnik als Ausgleich zum Bürojob

Als Helfer an der Seite eines Profis sammelte er die 26 notwendigen Scheine, die es braucht, um an einer Sprengschule angenommen zu werden. In Siegen absolvierte er den einwöchigen Lehrgang und darf sich seit seinem 21. Geburtstag selbst Pyrotechniker nennen. Aus dem Hobby des Kindes wurde ein Nebenberuf des Mannes. Plachetka arbeitet eigentlich im Vertriebsinnendienst. „Die Arbeit als Feuerwerker ist da ein schöner Ausgleich.“ Für die Firma Semmer Feuerwerk in Langwedel ist der Delmenhorster unterwegs. Was er da so macht, konnte zuletzt beim Höhenfeuerwerk des Burginsel-Laufes in der Graft bestaunt werden. Die nächste große Show steht Anfang August beim Festival Maritim in Vegesack an.

Plachetka liebt die emotionalen Momente. Wenn das Publikum applaudiert, sich Besucher bedanken. „Besonders emotional ist es immer dann, wenn wir für Hochzeiten ein individuelles Feuerwerk gestalten“, sagt Plachetka. „Da fließen bei den Gästen schon mal Tränen, das sind tolle Momente. Feuerwerk verbindet Menschen.“ Vier bis fünf Stunden könne der Aufbau für ein Hochzeitsfeuerwerk dauern. Mehr als 1000 Euro kostet es. „Da steckt mehr Arbeit drin, als man am Ende sieht.“

Himmelsgemälde mit Musik

Sein vielleicht emotionalstes Feuerwerk hat der Delmenhorster für seine Mutter choreografiert. Zu deren 50. Geburtstag hat er eine Show zusammengestellt, wo jeder Knall-, wo jeder Lichteffekt zu eigens ausgewählten Musikstücken passte, die den Lebensweg der Mutter nachzeichneten. Die Königsdisziplin, ein Himmelsgemälde mit Tönen. Musik ist für Plachetka ohnehin wichtig. „Wenn ich ein Lied im Radio höre, dann sehe ich schon das passende Feuerwerk vor meinem inneren Auge, da beginnt die Show in meinem Kopf.“

Angst hat Plachetka als Feuerwerker übrigens nicht, „aber immer Respekt vor der Materie“. Er weiß, was alles passieren kann. Deshalb sieht er es auch kritisch, was heute an Feuerwerkskörpern alles in den freien Verkauf gelangt. „Das ist zu krass für den Laien“, sagt der Experte. Sicherheit gehe immer vor. Und Alkohol und Feuerwerk, das passe gar nicht zusammen.

Einen Nebeneffekt hat es, dass Plachetka sein Hobby heute als Profession ausübt. So richtig heiß auf Silvester ist er nicht mehr, seit er das ganze Jahr über den Schwefelgeruch des Feuerwerks in der Nase haben kann.