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Ausbildungsstart zum 1. August Bewerbermangel plagt Delmenhorster Betriebe

Von Frederik Grabbe | 31.07.2016, 16:35 Uhr

Trotz sattem Plus bei den Ausbildungsverträgen sind in Delmenhorst bislang nur rund ein Viertel der Ausbildungsplätze besetzt worden. Aber: Das soll sich noch ändern.

Der 1. August ist traditionell der Termin, an dem viele junge Menschen ihre ersten Schritte ins Arbeitsleben wagen und eine Ausbildung beginnen. Doch auch wenn in diesem Jahr mehr Verträge unterzeichnet wurden, sind noch immer viele junge Menschen ohne Ausbildungsvertrag. Aber das wird sich noch ändern, sagt die Agentur für Arbeit voraus.

Kräftiges Plus an Ausbildungsverträgen

Es ist ein kräftiges Plus, das die Delmenhorster Ausbildungsbetriebe hingelegt haben: 15,3 Prozent mehr Verträge wurden laut Industrie- und Handelskammer in Oldenburg (IHK) unterzeichnet als im vergangenen Jahr. Setzten im Sommer 2015 noch 98 junge Menschen ihre Tinte unter den Vertrag, waren es dieses Jahr 115. Stichtag der IHK für diese Zahlen war der 30. Juni.

Bislang nur rund ein Viertel aller Ausbildungsstellen in Delmenhorst besetzt

Allerdings: Blickt man auf die Zahlen der Agentur für Arbeit, entsteht der Eindruck, dass der Ausbildungsantritt schleppend verläuft. 204 Stellen standen beim jüngsten Arbeitsmarktreport für den Monat Juli im Geschäftsstellenbezirk Delmenhorst und Ganderkesee offen, insgesamt wurden 477 Stellen gemeldet. Auch wenn hier für Delmenhorst separat keine Zahlen auszuweisen sind, lässt sich sagen, dass bislang nur rund ein Viertel aller Ausbildungsstellen in Delmenhorst besetzt worden sind.

Bewerberrückgang durch demografischen Wandel und Drang in die Hochschulen

Woran liegt das? „Insgesamt hat sich die Zahl der Bewerber in den vergangenen Jahren verringert“, sagt Regina Krumpe, Teamleiterin Arbeitgeber-Service bei der Agentur für Arbeit. „Was wir hier sehen, ist der demografische Wandel, für Betriebe ist es schwieriger, Azubis zu finden. Das war noch vor rund vier Jahren anders.“ Und: Die Zahl der Abiturienten steigt kontinuierlich, so Krumpe. IHK-Ausbildungsexperte Thomas Hildebrandt bezeichnete zuletzt gar die Universitäten als größte Konkurrenz für Ausbildungsbetriebe, 50 bis 60 Prozent aller Schüler erreichten laut Hildebrandt derzeit die Allgemeine Hochschulreife.

Eine Zwischenlösung reicht, klappt es mit dem Traumjob nicht

Trotzdem zeigt sich die Situation paradox: Im aktuellen Ausbildungsjahr gab es laut Arbeitsagentur 1044 Bewerber für insgesamt 477 ausgeschriebene Ausbildungsstellen, von denen aktuell 204 unbesetzt sind. Auf eine Stelle kommen also rechnerisch zwar zwei Bewerber, trotzdem können die Betriebe nicht alle Stellen besetzen. Dies weist darauf hin, dass junge Menschen zunächst mit Zwischenlösungen zufrieden geben, wenn es nicht sofort mit dem Traumjob klappt und zum Beispiel eine Berufsfachschule besuchen. Diese Strategie zeigte sich zuletzt etwa bei der vergangenen Ausbildungsbörse der Agentur für Arbeit .

Vertragsabschlüsse sollen noch steigen

Gleichwohl sollen sich die Vertragsabschlusszahlen noch deutlich ändern. „Das Ausbildungsjahr beginnt für uns am 1. September, sogar bis Jahresende sind noch Vertragsabschlüsse möglich“, so Teamleiterin Krumpe. 2015 seien im September letzten Endes 37 Stellen unbesetzt geblieben. Das Gros der jungen Menschen kommt am Ende also irgendwo unter – auch es keine Ausbildung ist.

Die Kreishandwerkerschaft Delmenhorst/ Oldenburg Land konnte zu dem Thema keine Angaben machen, weil sie noch keine Zahlen von der Handwerkskammer Oldenburg erhalten habe.