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Aushilfen und Ursachenforschung JHD reagiert pragmatisch auf volle Notaufnahme

Von Sonia Voigt | 02.05.2017, 14:55 Uhr

Um kleinen Notfall-Patienten besser gerecht zu werden, setzt die Kinderklinik am Josef-Hospital Delmenhorst (JHD) am Wochenende zusätzliche Arzthelferinnen ein. Um dem generellen Problem überfüllter Notaufnahmen zu begegnen, wollen die Akteure der Gesundheitsregion Delmenhorst Ursachenforschung betreiben.

Immer dann, wenn die Haus- und Facharztpraxen abends und an Wochenenden zu sind, wird es im Josef-Hospital Delmenhorst (JHD) noch voller als ohnehin schon. Wie Krankenhäuser bundesweit hat das JHD mit der großen Zahl an Bagatellfällen zu kämpfen, also weniger ernsthaft Erkrankten, die keine Klinik-Betreuung bräuchten, aber in der Notaufnahme für lange Wartezeiten sorgen. Eigentlich sollten sie die Bereitschaftsdienstpraxis an der Westerstraße ansteuern, die seit dem Wegfall des kinderärztlichen Notdienstes Anfang 2016 auch für kleine Patienten zuständig ist. Nun will das JHD Ursachenforschung betreiben, warum so viele Patienten das Krankenhaus ansteuern – und besonders Familien mit einer festen Sprechstunde an Wochenenden pragmatische Hilfe bieten.

Kaum Chancen für neuen kinderärztlichen Bereitschaftsdienst

„Die eigentlich auf der Station ausgelasteten Pflegekräfte mussten an Wochenenden oft in der eigentlich nicht besetzten Kinderambulanz aushelfen“, schildert Pflegedirektorin Heike Büssing die bisherige Situation. Weil sie lieber einen Kinderarzt als den Allgemeinmediziner in der Notdienstpraxis konsultieren wollten oder von dort in die Klinik verwiesen wurden, kommen die Familien ins JHD. 30 bis 40 sind es an jedem Samstag und Sonntag. Weil in Delmenhorst, Ganderkesee und Hude nur sieben niedergelassene Kinderärzte arbeiten, sieht die Kassenärztliche Vereinigung aber kaum Chancen für einen neuerlichen kinderärztlichen Bereitschaftsdienst, wie ihn sich Eltern wünschen.

Arzthelferinnen für Wochenendeinsatz in Kinderklinik geschult

Daher hat das JHD als pragmatische Sofortlösung Arzthelferinnen gewonnen, die in der früheren kinderärztlichen Notdienstpraxis gearbeitet haben, und auf das Krankenhaus-Informationssystem geschult. Nun nehmen sie – zunächst vormittags von 10 bis 14 Uhr – am Wochenende auf 450-Euro-Basis die kleinen Notdienst-Patienten in Empfang. Untersucht werden sie dann von den diensthabenden JHD-Kinderärzten.

JHD-Pflegedirektorin beklagt schlechte Erlössituation

Solche in der Praxis hilfreichen Ansätze lösen aber nicht ein grundlegendes Problem des JHD – wie auch anderer Kliniken – wenn sie Notdienst-Patienten versorgen: „Die Erlössituation ist für die Krankenhäuser sehr schlecht“, erklärt Pflegedirektorin Büssing. Seit dem 1. April dürfen Kliniken bundesweit für ambulante Notfälle eine Abklärungspauschale berechnen, die der Deutschen Krankenhausgesellschaft aber viel zu niedrig ist. Umgerechnet bedeute dies, der Arzt in der Notaufnahme habe nur zwei Minuten Zeit, um zu entscheiden, ob er einem echten Notfall gegenüber sitzt oder einem Bagatellfall, den er an die Praxis verweisen kann, kritisiert Büssing. Noch dazu sei nirgendwo rechtlich abgesichert, was ein Bagatellfall ist.

Konstruktiver Austausch in der Gesundheitsregion

Im Rahmen der Gesundheitsregion Delmenhorst leitet Büssing die interdisziplinäre Arbeitsgruppe zum Thema ambulante Versorgung und Notdienst und lobt den konstruktiven Austausch zwischen Vertretern von Klinik, Kassenärztlicher Vereinigung und niedergelassenen Ärzten beim aktuellsten Treffen vergangene Woche. Einigkeit bestehe, dass zunächst fundiert erhoben werden muss, was die Notfall-Patienten in die Klinik treibt. Faktoren könnten etwa die mangelnde Bekanntheit, schlechte Erreichbarkeit oder Überlastung der Bereitschaftsdienstpraxis sein.