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Aussicht auf Verhandlungen Delmenhorster Klinikchef: Muskelspiel des Ärzte-Bundes

Von Michael Korn | 31.08.2015, 20:31 Uhr

Krankenhäuser und Marburger Bund erklären sich bereit zu Sondierungsgesprächen über einen verlängerten Zukunftsvertrag. OB Jahnz stärkt Geschäftsführer den Rücken.

Im Konflikt um die drohende Absage des Marburger Bundes an einen Zukunftsvertrag für die Delmenhorster Krankenhäuser gibt es Aussicht zumindest auf eine Verhandlungsrunde: Sowohl die Ärzte-Gewerkschaft als auch die Kliniken haben sich für Sondierungsgespräche sowie eine „nachhaltige Lösung“ zur Sicherung der Gesundheitsvorsorge in Delmenhorst ausgesprochen. Gleichwohl bekräftigte der Marburger Bund am Montag seine harsche Kritik am Fusionskonzept für die Häuser.

„Einziges tragfähiges Konzept“

Auf Anfrage erwiderte Thomas Breidenbach, Geschäftsführer der hiesigen Krankenhäuser, das einzig tragfähige Konzept sei der Zusammenschluss der Krankenhäuser – es seien sich alle Fachexperten einig: „Nur so können wir die Konkurrenzsituation in Delmenhorst auflösen, Synergien schaffen und durch Kosteneinsparung wirtschaftliche Effekte erwirken.“

„Ein öffentliches Muskelspiel“

Dass der Marburger Bund am 20. Juli ein Konzept ablehnt, welches erst am 24. Juli an ihn übersandt wurde, sei für Breidenbach nicht nachvollziehbar. Der Marburger Bund veranstalte „ein öffentliches Muskelspiel zulasten der Delmenhorster Gesundheitsversorgung“. Die Ärztegewerkschaft vertrete damit nicht die Interessen der Ärzte im Klinikum und kommuniziere mit ihren Mitgliedern und der Geschäftsführung über die Medien.

Jahnz: „Breidenbach leistet hervorragende Arbeit“

Auch für Oberbürgermeister Axel Jahnz ist der Weg der Fusion von Klinikum und St. Josef-Stift der einzig richtige. Auf Nachfrage sagte er am Montag, Breidenbach leiste hierfür „hervorragende Arbeit“. Er habe es als Geschäftsführer der neuen Holding geschafft, Frauen- und Kinderklinik zusammenzuführen und das Zukunftskonzept auf den Weg zu bringen. Auch der Rat habe seine Hausaufgaben gemacht und unter anderem den Standort in der Innenstadt festgelegt.

Deutliche Überarbeitung gefordert

Der Ärzte-Bund bekräftigte am Montag seine harsche Kritik am Sanierungskonzept und fordert von der Klinik-Geschäftsführung eine „deutliche Überarbeitung und Erweiterung“. Das bisherige Konzept erfülle nicht „das vom Marburger Bund erwartete Niveau“. Die Großzahl der im Rahmen der Fusion angedachten Maßnahmen sei finanziell noch nicht bewertet.

Nicht zum erhofften Ziel geführt

Die letzten eineinhalb Jahre haben laut der Mitteilung zudem gezeigt, dass der Zukunftssicherungsvertrag (Zusi) in der bisherigen Form nicht zum erhofften Ziel geführt hat. Daher habe der Landesvorstand des Marburger Bundes am 20. Juli beschlossen, einer Verlängerung des Zusi nicht zuzustimmen. Bei der Vorstandssitzung am 17. August habe dann das Protokoll der Ratssitzung vom 21. Juli vorgelegen, bei der die Rettung des Klinikums mit einer Bürgschaft von weiteren drei Millionen Euro beschlossen worden war. Der Marburger Bund habe sich daraufhin verpflichtet gefühlt, die Fraktionen über den Vorstandsbeschluss zu informieren.

Bewegung in die richtige Richtung

„Der Marburger Bund ist nicht bereit, auf der bisher bestehenden Grundlage einen Zusi abzuschließen. Hier muss die Klinik-Geschäftsführung erheblich nachbessern. Es wird dann nachzudenken sein, wie eine verbindliche Umsetzung gesichert werden kann. Der Marburger Bund wird der Geschäftsführung zeitnah Sondierungsgespräche anbieten“, teilte Hans Martin Wollenberg, Vorsitzender des Marburger Bundes Niedersachsen, mit.

Das niedersächsische Sozialministerium teilte dem dk mit, es gebe noch kein Konzept, „das uns zur Bewertung vorgelegt worden ist“. Aber es gebe erste Ideen – und die gingen in die richtige Richtung.