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Ausstellung „Stadtbild im Wandel“ Bahnanschluss war Urknall für Delmenhorsts Entwicklung

Von Dirk Hamm | 19.10.2015, 18:33 Uhr

In einer Ausstellung dokumentiert Stadtarchivar Werner Garbas den Wandel im Delmenhorster Stadtbild. Die Gegenüberstellung von früher und heute bietet spannende Erkenntnisse.

Die Zeitläufte bringen viele Veränderungen im Bild einer Stadt mit sich. Ein Delmenhorster aus der Vorkriegszeit, würde es ihn auf wundersame Weise in die Jetztzeit verschlagen, würde an manchen Stellen seine Stadt nicht wiedererkennen, an anderen Plätzen hingegen hätte sich kaum etwas verändert.

Dieses Zeitreiseexperiment vollzieht in gewisser Weise eine Ausstellung nach, die noch bis zum 17. November in der Hauptstelle der Volksbank Delmenhorst Schierbrok an der Mühlenstraße zu sehen ist: Unter dem Titel „Delmenhorst – Stadtbild im Wandel“ hat der Stadtarchivar Werner Garbas auf 43 Tafeln Vergangenheit und Gegenwart gegenübergestellt. Markante Gebäude, Gebäudeensembles und Plätze kann der Betrachter einerseits in historischen Aufnahmen und zum anderen mittels aktueller Fotografien in ihrem jetzigen Erscheinungsbild erkunden.

Auch Großprojekt des Siedlungsbaus wird dokumentiert

Wie verloren steht beispielsweise auf einem Schwarz-Weiß-Foto das Gebäude der 1909 gegründeten Hilfsschule an der heutigen Marktstraße da. Links und rechts ist so gut wie keine Bebauung zu erkennen, eine befestigte Straße gab es noch nicht. Der Blick auf die Aufnahme aus der Gegenwart lässt ein Licht aufgehen: Der Altbau ist nicht etwa verschwunden, er ist vielmehr als westlicher Flügel in das Gebäudeensemble der Polizeiinspektion an der Ecke Marktstraße/Rudolf-Königer-Straße integriert. Das Stadtbild hat sich an dieser Stelle gewandelt, indem ein „Stück Stadt“ ganz neu entstanden ist.

Ob durch den Zuzug von Arbeitsmigranten oder Heimatvertriebenen, durch die Industrialisierung oder in ihrer Zeit revolutionäre städtebauliche Konzepte: Zuzeiten vollzog sich der Wandel im Stadtbild nicht gemächlich, sondern rasant. Und die Stadt wurde dabei größer, expandierte in die Randgebiete, neue Stadtteile wie Düsternort wurden erschlossen. Eine der Schautafeln dokumentiert ein Großprojekt des Siedlungsbaus an der Danziger Straße in den 20er Jahren. Die Fotografie aus der Gegenwart zeigt, wie das vormals eintönige Straßenbild durch individuelle Umgestaltungen der Doppelhäuser aufgelockert wurde.

Bahnlinie teilte die Stadt in zwei Hälften

Gleichsam den Urknall für den ersten tiefgreifenden Modernisierungsschub im verschlafenen Städtchen bedeutete die Inbetriebnahme des Bahnhofs an der neuen Eisenbahnlinie Bremen-Oldenburg im Jahre 1867. Der Anschluss an dieses fortschrittliche Transportsystem war eine wesentliche Voraussetzung für den atemberaubenden industriellen Aufschwung an der Delme. Doch Werner Garbas benennt auch die Kehrseite der Medaille: „Das Bahnhofsgebäude von 1867 war ein recht gelungenes Bauwerk. Die Stadt wurde durch die Bahntrasse jedoch in Nord und Süd geteilt.“

Dieser Zustand wurde durch die Bahnhöherlegung zu Beginn der 70er Jahre beendet – eine notwendige Entscheidung, aber verbunden mit einem ästhetischen Verlust, sagt der Stadtarchivar: „Dass das neue Gebäude schön ist, wird wohl keiner behaupten.“