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Ausstellung „Volkskunst Fabrik“ Radikaler Tapetenwechsel im Delmenhorster Haus Coburg

Von Marco Julius | 17.05.2017, 19:55 Uhr

Der vielseitige Leipziger Künstler Christoph Ruckhäberle stellt ab heute in der Städtischen Galerie aus. Das Haus hat er im Vorfeld weitreichend verwandelt.

Das ist einmal ein Tapetenwechsel, der da im traditionsreichen Haus Coburg vorgenommen wurde. Nun ist es sicher so, dass das Programm, das Galerieleiterin Dr. Annett Reckert zeit ihres Schaffens in der Galerie auf die Beine stellt, stets Überraschungen zu bieten hatte. Doch mit der Ausstellung „Christoph Ruckhäberle. Volkskunst Fabrik“ wird der Besucher, der das Haus Coburg kennt, erneut in eine völlig andere Welt geführt. Ein Farben- und Formen-Überschuss wirkt auf den Besucher ein. Was zunächst noch fröhlich-bunt wirkt, bekommt schnell weitere Dimensionen.

„Affront gegen den White Cube“

Der Künstler Christoph Ruckhäberle, geboren und aufgewachsen in Bayern, seit 1995 in Leipzig wohnend und schaffend, hat alle Räume der Villa mit farbstarken, mittels Linolschnitt hergestellten Tapeten versehen. Verschiedene Motive, die Variationen in der Serialität zeigen, bilden dabei den Hintergrund für aktuelle Bilder des Malers, Lack auf Leinwand, ein ganzer Reigen von Figurationen, Bildnissen, Akten – und für farbprächtige Objekte. „Ein Affront gegen den White Cube“, also gegen das Prinzip, Kunst in weißen Ausstellungsräumen zu zeigen, sagt Ruckhäberle und lacht. Zwischen Individualität und Masse, überbordend bunt, unerschrocken ornamental, das gemeinsame Spiel zwischen Bild und Hintergrund zieht den Betrachter geradezu ins Motiv hinein. „Im Modus der Möglichkeit ist sie ein Denkanstoß, um über die oftmals graue, allzu reduzierte Einheitsästhetik unserer Städte und unseres Alltags nachzudenken“, heißt es im Programmheft der Ausstellung.

Beglückendes Experiment

Für Galerieleiterin Reckert ist es immer wieder ein beglückendes Experiment, wenn Künstler direkt auf die Architektur des Hauses reagieren. Bei Ruckhäberle komme hinzu, dass er auch die Industriegeschichte der Stadt aufgreife, die bis heute mit der DLW für Linoleum stehe. Der Künstler hat die Linoldruckplatten für die Raumtapeten der Ausstellung eigens für die Delmenhorster Schau entwickelt. Das Material für dieses ambitionierte druckgrafische Projekt ist zunächst aus Delmenhorst nach Leipzig gereist. „Die DLW Flooring GmbH, weltweit eines der drei letzten Werke, das Linoleum produziert, unterstützt das Ausstellungsprojekt großzügig“, sagt Reckert.

Lubok-Verlag in der Remise

In der Remise der Städtischen Galerie stellt Ruckhäberle mit fünf weiteren Künstlern (Benjamin Dittrich, Katharina Immekus, Jirka Pfahl, Jens Schubert und Sebastian Speckmann) parallel mit einer eigens kuratierten Auswahl von gerahmten Grafiken und Künstlerbüchern den von ihm 2007 gegründeten und in Kunstkreisen längst legendären Lubok-Verlag vor.

Die Vernissage beginnt Donnerstag, 18. Mai, um 20 Uhr. Dr. Reckert sprciht einführende Worte. Oberbürgermeister Axel Jahnz steuert ein Grußwort bei. Die Ausstellung ist bis zum 6. August geöffnet.