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Ausstellung zu Eisenbahn-Jubiläum Fauchende Innovation erreichte Oldenburger Land

Von Dirk Hamm | 06.05.2017, 12:04 Uhr

Delmenhorst/Oldenburg/Cloppenburg. Mit der Ankunft der Eisenbahn vor 150 Jahren wurde der industrielle Fortschritt in Delmenhorst erst möglich: Die Bahnlinie Oldenburg-Bremen wurde im Jahr 1867 eröffnet.

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts war Delmenhorst ein kleines Ackerbürgerstädtchen mit wenigen Tausend Einwohnern. Um das Jahr 1900 hingegen war an der Delme bereits eine beeindruckende Industriekonzentration entstanden, die auswärtige Arbeitskräfte in Massen anzog. Eine wesentliche Weichenstellung für die rasante wirtschaftliche Entwicklung Delmenhorsts erfolgte vor 150 Jahren: Am 15. Juli 1867 wurde die Eisenbahnstrecke Oldenburg-Bremen mit einem Sonderzug offiziell dem Verkehr übergeben.

Ausstellung „Höchste Eisenbahn“ in zwei Museen

Täglich drei Züge in beiden Richtungen konnte der erste Fahrplan der Großherzoglich Oldenburgischen Eisenbahn (GOE) vorweisen. Mit diesem von rhythmisch fauchenden Dampflokomotiven angetriebenen Transportmittel brach in der Region eine neue Zeit heran – das Großherzogtum war bis dahin das einzige deutsche Land, das noch keine Eisenbahnlinie besaß. So ist es jetzt, anderthalb Jahrhunderte später, wahrlich „Höchste Eisenbahn“, die Entwicklung des Eisenbahnwesens in unserer Region nachzuzeichnen: Unter diesem Titel laden das Stadtmuseum Oldenburg noch bis zum 3. September und das Museumsdorf Cloppenburg bis zum 5. November zum Besuch einer Doppelausstellung zu 150 Jahren Zugverkehr im Oldenburger Land ein.

Ein Gebietskauf gab den Anstoß für Eisenbahnanschluss

Chaussee- und Kanalbau strapazierten bereits die oldenburgische Staatskasse, da stellte das Eisenbahnprojekt eine erhebliche Zusatzbelastung dar. Einen ersten Anstoß zum Bau einer Eisenbahnlinie hatte die große Politik Jahre zuvor gegeben. Preußen kaufte dem Großherzogtum im Jahr 1853 das Gebiet von Heppens am Westufer des Jadebusens – das spätere Wilhelmshaven – ab, mit dem Ziel, dort einen Marinestützpunkt zu errichten.

Unstimmigkeiten über den Streckenverlauf

Im Kaufvertrag wurde vereinbart, den Hafen mit einem Eisenbahnanschluss zu versehen. Das Problem: Zwischen dem Hohenzollern-Königreich und dem oldenburgischen Staatsgebiet musste das Königreich Hannover durchquert werden. Wie die Strecke der GOE an das Netz der Königlich Hannöverschen Staatseisenbahnen angebunden werden sollte, dazu waren vor dem Hintergrund der Konkurrenzsituation um die Seehäfen einige Unstimmigkeiten zu überwinden: Sollte der Anschluss im hannoverschen Staatsgebiet oder im 1847 an die hannoversche Staatsbahn angeschlossenen Bremen erfolgen?

1864 wurden die politischen Weichen gestellt

Im Jahr 1864 kam es zu einer Einigung sowohl zwischen Preußen und Oldenburg als auch zwischen Oldenburg und Bremen. Demnach sollten Baukosten und Eigentum der Strecke von Heppens zur Stadt Oldenburg beim preußischen Staat liegen, der Betrieb aber beim oldenburgischen. Des Weiteren sollte das Großherzogtum die Strecke von Oldenburg bis Bremen-Neustadt ohne Umweg über Brake bauen, die Hansestadt schließlich sollte die Verbindung vom Bremer Bahnhof der hannoverschen Staatsbahn über die zu bauende Weserbrücke nach Bremen-Neustadt bewerkstelligen. Dafür war festgelegt worden, dass von oldenburgischer Seite Benutzungsgebühren an Bremen gezahlt werden.