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Ausverkaufter Kabarettabend Wolfgang Trepper motzt in Delmenhorster Divarena

Von Marco Julius | 18.05.2017, 13:41 Uhr

Ist das noch Comedy oder ist das schon Kabarett? Oder ist das nicht einfach egal? Wolfgang Trepper hat am Mittwochabend in der restlos ausverkauften Divarena wieder vor allem das geliefert, was ihn bekannt und beliebt gemacht hat: eine Abrechnung mit den Doofen der Welt.

Dass deren Zahl Legion ist, kann Trepper locker beweisen. Was soll der Kampf, was soll die Qual, sind die Blöden doch in der Überzahl?, mag man sich fragen. Doch einer muss es ja machen. Und so übernimmt Trepper den Part, dreht den Irrsinn der politischen Welt, des Fernsehens und der Familie durch den Fleischwolf – und spuckt aus, was dann noch übrig bleibt. Schaut sich den ganzen Quatsch an, den die RTL-Familie produziert, liest die bunten Blättchen. Und verdaut alles.

Als Mann des Ruhrgebietes nimmt er dabei kein Blatt vor dem Mund. Trump? „Ein rassistisch-homophobes Arschloch. Das wird man ja wohl noch sagen dürfen.“ Die AfD? „Ein selten hohler Club. Seit dreieinhalb Monaten beleidige ich die und warte darauf, dass die mich verklagen. Tun die aber nicht, denn die müssten mir vor Gericht das Gegenteil beweisen – und das können die ja nicht!“

Es kreist der Holzhammer

Es ist ein Parforceritt durch den Wahnsinn. Die Lombardis, die Kastelruther Spatzen, Margot Honecker, Horst Seehofer: Trepper mosert, klagt, schimpft, beleidigt mit einem Furor, dass es eine Freude ist. Gürtellinie ist ein Fremdwort für den Motzki aus Duisburg, das Handwerkszeug seiner Wahl ist der Holzhammer.

„Da geh ich kaputt dran“ ist sein ewig wiederkehrender Kommentar zum grassierenden Schwachsinn, gleich gefolgt von „Ist doch wahr!“. Der 56-Jährige übernimmt die Hoheit über die Stammtische, allerdings nicht aus der rechten Ecke. Der Kabarettist schlägt immer wieder durch. Und während sich der Besucher noch fragt, spricht da jetzt eigentlich der Trepper oder ist das eine Bühnenfigur, nimmt er sich schon den nächsten Promi vor. Er sagt es im Spaß, ist es aber irgendwie im Ernst losgeworden. Manchmal lobt der ewig nörgelnde Trepper sogar. Den Beckenbauer zum Beispiel. „Hätten Sie gedacht, dass man für nur 6,7 Millionen Euro ne WM kaufen kann? Hut ab!“

Ruhige Momente

Und dann ist zwischendurch im Programm des HB-Männchens von der Ruhr doch immer wieder Zeit für ruhige und nachdenkliche Momente. Zum Ende des zweieinhalbstündigen Programms etwa, wenn er über den Tod philosophiert und über die Zeit, die einem bis dahin noch bleibt. Am Sterbebett habe er noch keinen gehört, der sich ein größeres Haus oder ein schnelleres Auto gewünscht habe. Mehr Zeit, das sei der einzige Wunsch, der alle eine.

Kabarett alter Schule

Kabarett alter Schule macht Trepper auch vor der Pause, wenn er den Arbeitern und Malochern ein kleines Denkmal setzt und gegen die Bosse der Konzerne stichelt, die im Dritten Reich mitgemischt und anschließend einfach weiter gemacht haben. Und wenn er dem Schimmi aus Duisburg und Götz George gleich mit Kränze bindet, einem Typen, der auch für eine klare Sprache stand.

Und so gibt es am Ende viel Applaus für einen Abend, in dem nicht jeder Gedanke neu war, der aber mitunter wie ein reinigendes Gewitter wirkte. Einige Fragen Treppers blieben aber offen: Warum wird eigentlich beim Biathlon jemand Zweiter, wenn er doch ein Gewehr hat? Sind Bäume, die harzen, eigentlich arbeitslos?