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Autor Volker Kutscher in Delmenhorst Mysteriöse Morde mitten im Milieu

Von Thomas Breuer | 27.03.2015, 20:46 Uhr

Bei Decius ließ der Bestseller-Autor vor 60 Zuhörern die 1930er-Jahre auferstehen. „Märzgefallene“ ist ein auch historisch interessanter Krimi.

Mit der Realität und den virtuellen Welten ist das manchmal so eine Sache. Volker Kutscher (Jahrgang 1962) ist kein Facebook-Fan, weswegen sich dort auch kein von ihm selbst angelegtes Profil findet. Gereon Rath findet man dagegen, obwohl der allein Kutschers Fantasie entsprungen ist. Nicht weil Kutscher ihn unbedingt im sozialen Netzwerk wissen wollte, sondern weil sein Verlag sanft gedrängelt hat.

Kutscher, der frühere Tageszeitungsredakteur, ist Bestseller-Autor. Fünf rund um das Jahr 1930 spielende Romane mit Kommissar Gereon Rath als Hauptfigur hat er schon geschrieben – und damit eine breite Leserschaft erreicht. Am Donnerstag waren 60 Interessierte dabei, als er Raths fünften Fall „Märzgefallene“ in der Buchhandlung Decius vorstellte.

Der erste Mord ist nur der Anfang

Die Geschichte spielt Anfang 1933, ist um den Reichstagsbrand angesiedelt. Der Mord an einem Obdachlosen ist der Anfang, weitere Taten folgen. Rath taucht ein in seinen anfangs skurril wirkenden, dann immer bedrohlicher werdenden Fall, der bis in das Weltkriegsjahr 1917 zurückreicht. Seinerzeit sollen Soldaten einen großen Goldfund unterschlagen haben, überdies soll einer von ihnen zum „Todesengel“ geworden sein.

Kutscher gelingt es vorzüglich, das Berliner und Kölner Milieu jener Jahre nachzuzeichnen. Bei seinen kapitelweisen Perspektivwechseln fängt er auf subtile Weise viel ein von der Angst und Unsicherheit im Vorfeld der vollständigen nationalsozialistischen Machtergreifung. Andererseits transportiert er die Begeisterung vieler Zeitgenossen für die herannahende Diktatur.

Autor mit Ortskenntnis

„Ich versuche, da gewesen zu sein, wo meine Geschichte spielt“, gab Kutscher seinen Zuhörern Einblick in seine Herangehensweise. Auch wenn sich viel verändert hat, er versucht, die Orte zu sehen und zu verinnerlichen, an die er seine Charaktere schickt.

Neun Rath-Romane könnten es am Ende werden, ließ Kutscher durchblicken, dazu ein Erzählungsband, für den er bereits einige Stücke verfasst habe. Ganz bewusst lässt er seinen kurz vor der Ehe stehenden Helden weiter mit fremden Frauen anbandeln und Kontakte zur Unterwelt pflegen. „Für mich ist eine Figur mit dunklen Seiten interessanter“, sagt Kutscher.