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Axel Petermann in Delmenhorst Profiler: Jeder ist in der Lage, andere Menschen umzubringen

Von Birgit Stamerjohanns | 13.12.2018, 15:14 Uhr

Axel Petermann ist ehemaliger Leiter einer Mordkommission und wohl Deutschlands bekanntester Profiler. Seine Erfahrungen hat er in seinem neuen Thriller „Die Elemente des Todes“ verarbeitet, den er in Delmenhorst vorgestellt hat.

Als Mordermittler hat Axel Petermann eigentlich Nerven wie Drahtseile, aber am Mittwochabend geriet auch er an seine Grenzen: Der Verkehr war geradezu kriminell, die 22 Kilometer kurze Anreise aus dem Bremer Umland nach Delmenhorst wurde zum Thriller: „Zwei Stunden haben wir gebraucht“, so der Bestseller-Autor, der gemeinsam mit seiner Frau gerade noch rechtzeitig zum geplanten Beginn seiner Lesung im Servicepunkt der EWE erschien. Nach einem kurzen Verschnaufen bot Axel Petermann seinem Publikum dann rund zwei Stunden lang beste Unterhaltung – spannend und stellenweise ausgesprochen humorvoll. Auch wenn die Fälle, von denen der ehemalige Profiler berichtet, an Grausamkeit kaum zu überbieten sind.

Wahre mit fiktiven Elementen gemischt

Die ganz schlimmen Details erspart der Schriftsteller seinen Zuhörern an diesem Abend, auch wenn sie in seinem Buch „Elemente des Todes“ explizit beschrieben werden. „Beim Lesen hat man aber die Chance, einige Seiten zu überspringen, wenn man die Schilderung nicht erträgt“, so Petermann, „aber wenn ich Ihnen das hier vorlesen würde, könnten Sie ja schlecht aus den Stuhlreihen klettern.“ Das Buch „Elemente des Todes“ hat er gemeinsam mit dem Schriftsteller Claus Cornelius Fischer verfasst, es handelt sich um einen sogenannten True-Crime-Thriller. Die geschilderten Taten entsprechen wirklichen Fällen, die Axel Petermann als Ermittler bearbeitet hat, sind aber mit fiktiven Dialogen durchmischt. Auch das private Umfeld des Ermittlers beschreibt Petermann – einiges ist angelehnt an sein eigenes Leben.

Opfer nach chemischen Elementen angeordnet

Im Mittelpunkt der Geschichte steht ein Mörder-Duo, das in Bremen mehrere Menschen umbringt. Beide Täter sind sehr intelligent, einer der beiden ordnet seine Opfer dem Periodensystem der chemischen Elemente zu. Seine Ex-Freundin Nicole ist Kobalt, Ordnungszahl 27. Ein eiskalter Killer, der im Prolog des Buchs sagt: „Es gibt positive Menschen und negative Menschen. Die negativen sind die Toten, da hat sich das Vorzeichen geändert.“ Petermann schildert, wie er zu einem Tatort gerufen wird, nachdem das Duo einmal wieder zugeschlagen hat: Wie sich später herausstellt, war das Opfer ein Bekannter der beiden, er wurde in seinem Wagen mit zwei Schüssen getötet. Einer aus nächster Nähe, der andere aufgesetzt – der Täter wollte sich sicher sein.

Fallanalyse in Bremen betrieben

„Als Ermittler muss man aus meiner Sicht am Tatort gewesen sein, die Leiche gesehen und untersucht haben“, so der ehemalige Leiter einer Bremer Mordkommission. Nur so ließen sich Rückschlüsse auf einen möglichen Täter und seine Motive ziehen. Petermann hat in Bremen als Profiler gearbeitet. Das Profiling, auch Fallanalyse genannt, ist eine Ermittlungsmethode, die vor rund 20 Jahren in den USA populär wurde und dann ihren Weg nach Deutschland gefunden hat. Dabei versuchen die Ermittler, sich in die Gedankenwelt des Täters hineinzuversetzen, seine Entscheidungen nachzuvollziehen. Besonders bei ungeklärten Altfällen kommt diese Methode zum Einsatz – oft noch nach Jahrzehnten mit Erfolg.

Mord hat viele Facetten

Auch wenn in seinem Buch „Die Elemente des Todes“ grausame Massenmörder im Mittelpunkt stehen, sieht Petermann auch immer andere Facetten eines Täters: „Ich habe erlebt, wie einer der Mörder in der Haft Besuch von seiner Familie bekam, wie liebevoll er als Vater war.“ Und auch von etwas anderem ist der ehemalige Fallanalytiker überzeugt: „Jeder von uns ist in der Lage, einen Menschen umzubringen – aus Stress, im Affekt, oder weil sich die Frau trennen will.“