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Bande auch in Delmenhorst aktiv Staatsanwalt fordert fünf Jahre für Serien-Einbrecher

Von Ole Rosenbohm | 24.04.2018, 20:56 Uhr

Zwischen über fünf Jahren und 26 Monaten Haft bewegen sich die Strafmaße, die der Staatsanwalt für eine auch in Delmenhorst aktive Einbrecherbande fordert. Das Urteil folgt am 2. Mai.

Staatsanwalt Günter Beineke wusste selbst nicht, „wo ich diese Milde hernehme“, als er am Dienstag im Prozess vor dem Landgericht Oldenburg gegen eine mutmaßliche Einbrecherbande seinen Schlussvortrag hielt. Fünf Jahre und drei Monate Haft fordert Beineke für den 38 Jahre alten Haupttäter, der an 24 von 28 angeklagten Einbrüchen in Wohnhäuser sowie in eine Eisdiele und ein Automatencasino beteiligt gewesen sein soll. In drei Fällen, auch in Delmenhorst, wurden dabei Häuser mutwillig komplett unter Wasser gesetzt.

Vier Angeklagte sind vorbestraft

Weiter fordert die Staatsanwaltschaft: vier Jahre und zwei Monate Haft für einen 28-Jährigen (17 Tatbeteiligungen), drei Jahre für einen 26-Jährigen (fünf Beteiligungen), 26 Monate für einen 27-Jährigen (zwei Beteiligungen). Einem fünften konnte nichts nachgewiesen werden, Verteidiger und Staatsanwalt plädierten auf Freispruch. Die vier Männer sind vorbestraft: Einer war nur Wochen frei, als er mit den Einbrüchen begann, ein anderer hatte gerade ein Urteil mit Haftstrafe kassiert, einer stand unter Bewährung. Als Motiv gaben die geständigen Angeklagten Geld- und Drogenprobleme an. Die Flutungen nahm der Haupttäter auf sich. Warum er das tat, bleibt im Dunkeln.

Überflutungen mit massiven Folgen

Angesichts der Ausmaße klingen die zu erwartenden Strafen nach wenig, weiß Beineke. Allein eine besonders schwere Sachbeschädigung könne Verurteilten bis zu fünf Jahre einbringen. Passend dafür ist der Fall einer Flutung, bei der Wasser vier Tage aus sechs Hähnen in die Zimmer lief und das nur schlecht versicherte Haus fast zu einem Abbruchobjekt machte. Der damals urlaubende Besitzer begab sich danach in psychiatrische Behandlung. Seinen berührenden Auftritt werde niemand vergessen, sagte Beineke: „Er hat alles verloren.“ Nicht nur er musste Monate im Wohnwagen hausen. Auch um weitere sinnlose Verwüstungen zu verhindern, schlugen die observierenden Ermittler im August 2017 früher als normal zu und verhafteten die Angeklagten.

Fahrer will von Einbrüchen nicht gewusst haben

Immerhin: Alle waren geständig, gaben die angeklagten Taten im Wesentlichen zu, auch wenn nicht alle Einlassungen überzeugten: Der 28-Jährige etwa will als Fahrer monatelang überhaupt nicht gemerkt haben, was die Mitangeklagten so getrieben haben in den Seitenstraßen dieser Region, wenn sie beladen mit Beute wieder in seinen Audi A8 stiegen. „Komplett lebensfremd“ fand Beineke.

Urteilsverkündung kommende Woche vorgesehen

Die Forderungen der Anwälte liegen knapp unter denen der Staatsanwaltschaft, decken sich aber noch ungefähr mit den Ergebnissen aus Rechtsgesprächen zu Prozessbeginn, die zwar zu keiner Einigung zwischen den Beteiligten, wohl aber zu einer Tendenz führten. Das Urteil wird am 2. Mai verkündet.