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Bandenbetrug vor Gericht Gericht entlässt Delmenhorster nach neun Monaten aus U-Haft

Von Ole Rosenbohm | 24.08.2017, 09:22 Uhr

Im Prozess gegen zwei Delmenhorster wegen Bandenbetrugs und Bedrohung ist nun der Haftbefehl gegen einen der Täter aufgehoben worden. Der Mann ist nun auf freiem Fuß, aber nicht freigesprochen. Entlastet hatte ihn der Nebenkläger.

Außerhalb des Kernvorwurfs hat die Verteidigung im Prozess gegen einen 27- und einen 28-jährigen Delmenhorster wegen Bandenbetrugs und Bedrohung am Montag Erfolge errungen. Der wichtigste: Der Haftbefehl gegen den Älteren wurde aufgehoben. Entscheidend dafür war die wiederholte Aussage des Nebenklägers, der Beschuldigte habe sich nicht an den Körperverletzungen und Bedrohungen gegen ihn beteiligt. Der Mann hatte neun Monate in Untersuchungshaft gesessen.

Angeklagte sollen an Telefonbetrügereien aus der Türkei beteiligt sein

Vorgeworfen wird ihm die Beteiligung an einer Organisation, die sich per Telefon aus der Türkei bei älteren Menschen als Polizei ausgibt und versucht, ihre Opfer mit einer erfundenen Geschichte um ihre Ersparnisse zu bringen. Die Ermittler wurden durch abgehörte Telefonate mit dem anderen Beschuldigten auf ihn aufmerksam. Zudem soll er Gelder in die Türkei transferiert haben. Ein Freispruch ist die Aufhebung des Haftbefehls also nicht.

Nebenkläger von Kompagnons mit dem Leben bedroht

Obwohl am Montag nicht anwesend, spielte der Nebenkläger, der selbst in die Angelegenheit verwickelt ist, eine Hauptrolle. Ausgesagt hatte er vorige Woche, schuldlos zur Bande gekommen zu sein. Von deren Mitgliedern sei ihm auch vorgeworfen worden, über 20.000 Euro ergaunertes Geld unterschlagen zu haben. Das stimmte nicht. Aber er sei dennoch vom 27-jährigen Angeklagten und anderen bestohlen, zu Helferdiensten gezwungen sowie verletzt und mit dem Leben bedroht worden, sagte er aus.

Gericht erkennt Lügenbereitschaft bei Belastungszeugen

Doch am Montag erkannte der Vorsitzende Richter Horst Kießler beim Nebenkläger, momentan gleichzeitig der Hauptbelastungszeuge, eine gewisse „Lügenbereitschaft“. Ausgesagt hatte der Mann im Rentenalter nämlich, dass ihm von der Bande ein Tablet-PC und zwei Smartphones gestohlen wurden – Geschenke für Neffen und Nichten in Tunesien. Doch nur der Tablet-PC wurde vom 27-jährigen Angeklagten in Deutschland verkauft. Die Smartphones sind dagegen in Tunesien aktiviert worden, geht aus den technischen Unterlagen der Polizei hervor. Der Staatsanwalt betonte, nicht alle Aussagen des ebenfalls in dieser Sache beschuldigten Nebenklägers seien in Zweifel zu ziehen: „Doch wenn wir nichts anderes hätten als seine Aussagen, würden wir nicht weiterkommen.“

Am morgigen Freitag wird weiter verhandelt.