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Barrierefreiheit Blinde treffen noch auf Hürden in Delmenhorst

Von Jens Gehrke | 14.01.2015, 18:59 Uhr

Die Stadt soll allen Delmenhorstern offen stehen. Doch Menschen mit einer Behinderung stoßen noch auf Barrieren. Vor allem bei der Bewegungsfreiheit der Blinden gibt es Nachholbedarf.

Welche Hindernisse noch für Blinde in Delmenhorst bestehen, wird deutlich, wenn man mit Reiner Lusga den Blindenleitstreifen auf dem Rathausplatz testet. Bereits der Weg dorthin ist für den Blinden schwierig. Nach dem Aussteigen an der Haltestelle Am Markt vor dem Wasserturm ist die erste Herausforderung, den Leitstreifen überhaupt zu erreichen. Auch der Leitstreifen selber helfe ihm relativ wenig. Die untere Ebene der Rillenplatten sei nicht plan mit der Umgebung, daher sei es für einen Blinden ohne Sehrest schwer, den Streifen zu erkennen und ihm zu folgen. Wer das selber mit geschlossenen Augen und einem Blindenstock testet, kann das nachvollziehen: Ein Unterschied zum Pflaster ist kaum zu erkennen. Der Deichhorster räumt ein, dass der Leitstreifen prinzipiell eine gute Sache sei und auch nach DIN-Norm ausgeführt. „Doch wenn ich schon etwas für Blinde baue, dann sollte es auch das Optimale sein.“ Die Innenstadt sei ohnehin eine schwierige Gegend, Bäume, Bänke, Blumenkübel und Werbeplakate versperrten den Weg. „Der Leitstreifen in der Langen Straße ist zum Durchqueren der Innenstadt relativ gut, zum Auffinden der Geschäfte aber nicht.“ Orientierung böten die Gerüche wie gemahlener Kaffee oder frischgebackene Brötchen.

Für die rund 120 Blinden in der Stadt, vor allem für die ohne Begleitung, sei es nach wie vor schwierig, die Innenstadt zu erreichen. „Ich begegne hier jedenfalls nie anderen Blinden“, sagt Lusga. Das habe wiederum zur Folge, dass es auch weniger Akzeptanz für Ausgaben und Projekte wie den Leitstreifen gibt.

Was die Blinden betrifft, sieht der Delmenhorster noch weitere Probleme. So seien viele Gehwege, anders als vorgeschrieben, nicht von wuchernden Bäumen und Hecken befreit. Ein gefährlicher Punkt für Blinde ist laut Lusga auch die Kreuzung Oldenburger Straße/Brauenkamper Straße und der Bereich beim Bahnhof. In beiden Fällen seien die Ampeltöne nicht eindeutig. Für Blinde kann das hochgefährlich sein. „Außerdem sind nicht an allen Bushaltestellen im Stadtgebiet Rillenplatten vorhanden“, so Lusga. Zudem sei es schwer, als Blinder in einem Verein oder im Fitnessstudio Sport zu treiben. Erst kürzlich habe man ihm bei einem Verein zu verstehen gegeben, dass der Übungsleiter nicht die Zeit habe, ihn von Gerät zu Gerät zu führen. „Die Blinden in Delmenhorst müssten sich stärker zu Wort melden, sonst ändert sich nichts“, findet Lusga.

Der Behindertenbeirat in Delmenhorst, der auch die Gruppe der Blinden vertritt, hat in vielen Punkten Verständnis für Lusgas Kritik. Zum Beispiel würden Hecken und Äste immer wieder für Blinde und Rollstuhlfahrer den Gehweg versperren. Auch sei ein besserer Zugang für Behinderte zum Sport ein wichtiger Punkt des Aktionsplanes zur Inklusion in Delmenhorst. Anders schätzt Bernd Neumann, Vorsitzender des Behindertenbeirates, die Tauglichkeit des Blindenleitstreifens ein. Der sei nach einem Mobilitätstraining in der Nutzung einwandfrei.