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Baumschlag in Delmenhorst Fassungslosigkeit nach Baumrodungen auf der Großen Höhe

Von Frederik Grabbe | 18.07.2017, 20:22 Uhr

Der Zeitpunkt der Rodung von rund einem Hektar Wald auf der Großen Höhe hat scharfe Kritik hervorgerufen. Zahlreiche Delmenhorster haben unter anderem im sozialen Netzwerk Facebook ihre Fassungslosigkeit zum Ausdruck gebracht, der Naturschutzbund (Nabu) erwägt aus Tierschutzgründen rechtliche Schritte und die Ratsfrau Andrea Lotsios (Grüne) verurteilt die Informationspolitik um die Rodungen.

Ende vergangener Woche, kurz vor dem Ende der Brut- und Setzzeit am 15 Juli, war im Auftrag der Delmenhorster Wirtschaftsförderungsgesellschaft (dwfg) ein Waldstück neben dem Segelflugplatz auf der Großen Höhe gerodet worden, um Fliegern des benachbarten Luftsportvereins weiterhin einen sicheren Landeanflug zu ermöglichen.

Nabu sieht Tierschutz verletzt

„Zur jetzigen Zeit die Bäume zu roden, ist in unseren Augen eine Straftat“, teilt Hans Dieter Hohmeister vom Nabu mit. Er beruft sich auf das Bundesnaturschutzgesetz, welches das Leben von wild lebenden Tieren unter Schutz stelle. „In dem Bereich haben wir abgehängte oder kaputte Fledermauskästen gefunden. Dabei stehen alle Fledermausarten unter Schutz. Auch Vögel haben dort gebrütet. Der Vorgang ist Baumfällungen auf Großer Höhe: Alles andere als geschickt ungeheuerlich“, so Hohmeister, der vor allem den Zeitpunkt der Rodung kritisiert. „Waldbesitzer haben das Recht Bäume zu fällen. Aber doch nicht während der Brut- und Setzzeit.“ Aus diesem Grunde erwäge der Nabu rechtliche Schritte. Auch die Delmenhorsterin Angelika Meißner, die die Große Höhe oft besucht, verwies auf die Brut- und Setzzeit und zeigte sich entsetzt. Sie verweist zudem auf den Erlebnispfad, in nächster Nähe zum Flugplatz, der auf Schautafeln ausführlich das Leben der Fledermäuse schildert. Nach eigener Aussage hat sie Anzeige erstattet.

Grüne Ratspolitikerin hätte sich eine Vorabinformation gewünscht

Die Grüne Ratsfrau Andrea Lotsios wies darauf hin, dass Privatleuten in der Brut- und Setzzeit unter anderem untersagt sei, die Hecken im eigenen Garten zu schneiden. „Und in dieser Zeit werden durch die Hintertür Bäume vernichtet.“ Besonders die Begründung für den Kahlschlag finde sie „absolut an den Haaren herbeigezogen“. Die dwfg hatte angegeben, der zuständige Förster habe den eigentlich für Herbst geplanten Baumschlag vorgezogen, weil das notwendige Großgerät bereits auf der Großen Höhe im Einsatz war. „Als Kommunalpolitikerin hätte ich mir vorab Informationen zum Baumschlag gewünscht“, so Lotsios. „Dass die Rodung nun in der politischen Sommerpause vonstattenging, finde ich sehr bezeichnend.“

(Weiterlesen: Brut- und Setzzeit – Verantwortungslose Hundehalter bringen Jäger zur Verzweiflung)

Landkreis: Rodung war rechtlich in Ordnung

Dass der Baumschlag rechtlich so in Ordnung war, unterstrich auf Nachfrage noch einmal Renate Wilgen vom Amt für Naturschutz und Landschaftspflege des Landkreises, der aufsichtführende Naturschutzbehörde ist: „Bei dem Fall auf der Großen Höhe gilt das Waldrecht und nicht das Naturschutzrecht“, so Wilgen, die darauf verweist, dass der Baumbestand an gleicher Stelle wieder aufgeforstet werden soll. Ihren Angaben nach gelten beispielsweise Anforderungen des Biotopschutzes nicht für einen bewirtschafteten Wald. Jedoch werde vor einem sogenannten Kahlschlag im Rahmen des Artenschutzes eine Begehung durchgeführt. „Im vorliegenden Fall fand der Förster in dem Bereich auf der Großen Höhe Fledermauskästen, die aber vollständig verdreckt und nicht mehr funktionsfähig waren“, so Wilgen. Somit habe eine Gefährdung von Fledermäusen nicht vorgelegen.

Diese Einschätzung teilt Hohmeister vom Nabu nicht. „Bei allem Verständnis für den Luftsportverein: Der Naturschutz steht höher als der laufende Fliegerbetrieb.“