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Bauordnungsamt überlastet Geduld gefragt bei Bauanträgen in Delmenhorst

Von Michael Korn | 03.04.2017, 12:37 Uhr

Rund 200 offene Bearbeitungsfälle schiebt das Bauordnungsamt vor sich her. Mitunter sind auch die Antragsteller Schuld für zeitlichen Aufschub.

Wer bei der Stadt Delmenhorst einen Bauantrag einreicht, muss Geduld haben. Das geht zumindest aus Angaben von Gunter Bott, Chef der Bauordnungsbehörde im Rathaus, hervor. Es komme zu verlängerten Bearbeitungszeiten aufgrund stark ansteigender Antragszahlen, Akteneinsichten, Nachbarschaftsbeschwerden und Großprojekten wie Krankenhausneubau, Hertie-Gebäude und Wollepark. Bott: „Derzeit haben wir etwa 200 offene Bearbeitungsfälle.“

465 Bauanträge im Jahr

Im vergangenen Jahr sind beim Bauordnungsamt 465 Bauanträge eingegangen – über 100 mehr als noch 2010 mit damals 356 Anträgen. Ein Grund sei die anhaltende Baukonjunktur dank der niedrigen Zinsen. Erhebliche Steigerungen gebe es auch bei Einsichten in Bauakten sowie Baulasteinträgen. Laut Bott werden nämlich zunehmend auch weniger günstig gelegene Grundstücke mobilisiert. Es gebe eine verstärkte Entwicklung im innerstädtischen Bereich und es würden viele Flächen gekauft und verkauft. Dies wiederum löse jedoch auch verstärkt Streitigkeiten unter betroffenen Nachbarn aus. Der Bearbeitungsaufwand für die Mitarbeiter in der Bauordnung erhöhe sich zudem durch lückenhafte Antragsunterlagen. Daher appelliert Bott an Bauwillige, sich vorher umfassend zu informieren und vollständige Papiere einzureichen. Die Dienststelle steht zudem vor einem personellen Engpass, da erfahrene Bedienstete in den Ruhestand wechseln und nachfolgende Kräfte erst eingearbeitet werden müssten.

Weitere Neubaugebiete

Das Antragsaufkommen dürfte sich derweil in den kommenden Jahren weiter drastisch erhöhen: Die Stadt verfolgt das Ziel, jährlich etwa 200 Wohneinheiten neu zu schaffen, davon etwa die Hälfte im Eigenheimbau. Diese Zahl begründet sich auf den hohen Nachholbedarf beim Wohnungsangebot sowie der zuletzt stark steigenden Einwohnerzahl Delmenhorsts. Mehrere, teils größere Neubaugebiet befinden sich im Planungsverfahren und kommen in den nächsten Jahren auf den Markt. So hat der Planungsausschuss ganz aktuell ein Neubaugebiet im Stadtteil Heidkrug mit bis zu 50 Bauplätzen auf den Weg gebracht.

Sassen kritisiert Verwaltung

Eva Sassen vom Bürgerforum nimmt den Bott-Bericht zum Anlass, einerseits den Fachdienstleiter und dessen Team für die Arbeit zu loben, andererseits die Verwaltungsspitze zu kritisieren: In den bebauten Gebieten enstehen seit Jahren neue Häuser, wie die Antragsflut belege. Nur die Verwaltungsspitze wolle das nicht sehen. Diese Bautätigkeiten fehle im Wohnungsmarktbericht, der Grundlage für die Neubau-Planzahlen in der Stadt sein soll. Dennoch habe eine Mehrheit im Ausschuss für die Bebauung im Heidkruger Außenbereich gestimmt, kritisiert Sassen.