Ein Angebot der NOZ
Ein Artikel der Redaktion

Bebauung des Südfeldes Hasberger Familien sprechen über Bauland-Debatte

Von Jan Eric Fiedler | 23.10.2015, 18:53 Uhr

Junge Leute für den Ort, Kinder für die Hasberger Schule: Die Punkte, die zur Diskussion um die Wohnbauentwicklung geführt haben, sehen die jungen Familien durch ihr Vorhaben erfüllt.

Delmenhorst. Seit Jahren wird in Hasbergen über Bauland diskutiert. Seit ebenso langer Zeit warten vier junge Familien darauf, dass sie ihre Häuser bauen können. Sie wollen die am intensivsten diskutierte Fläche an der Straße Am Südfeld besiedeln. Im Gespräch mit dem dk berichten sie über ihre Wahrnehmung der Debatte.

„Wir sind überzeugt, dass es gut ist“

„Heimat“ – Dieses Wort führt Dieter Beier als Begründung an, warum er auch nach fünf Jahren mit seiner Familie an den Planungen festhält. „Wir sind überzeugt, dass es gut ist“, sagt Insa Wiegmann. Sie und ihr Mann Martin Wiegmann gehören ebenso wie Lena Sudau und Torben Kruse zu den weiteren Paaren, die auf der Fläche bauen wollen.

Planungen begannen vor fünf Jahren

Vor fünf Jahren sind sie ihr Vorhaben angegangen. „Die ersten Vorstellungen der Planungen wurden hier relativ positiv aufgenommen. Wir haben nicht gedacht, dass es in zwei Wochen über die Bühne geht, aber auch nicht, dass es fünf Jahre dauert“, sagt Lena Sudau. Ihrer Familie gehört die Fläche. Ihr Vater Herbert Sudau sitzt für die CDU im Ortsrat, was die politische Debatte zusätzlich befeuert hat. Im September hat der Verwaltungsausschuss die Aufstellung eines Bebauungsplanes für die Fläche auf den Weg gebracht – in einer für das Gremium ungewöhnlichen geheimen Abstimmung . Im Mai hatte der gleiche Ausschuss das Vorhaben noch abgelehnt, nachdem es nach langen Debatten im Ortsrat beschlossen wurde.

Übergangslösungen bis zum Baustart

An eine Aufgabe ihrer Pläne haben die vier Paare nie gedacht. Sie haben gewartet und sich Übergangslösungen gesucht. Die ersten Kinder sind auch schon da. Und genau dieser Hasberger Nachwuchs stand am Anfang der Debatte im Mittelpunkt: Es sollten Kinder für die Grundschule Hasbergen in den Ort kommen, junge Familien sollten das Dorf beleben. Genau diese Erwartungen sehen sie durch ihre Pläne erfüllt. Das Dorf habe die Chance, sich junge Leute aus dem Ort zurückzuholen. Denn die jungen Leute sind mit Hasbergen eng verbunden. Sie oder ihre Partner sind dort aufgewachsen oder in Vereinen aktiv.

Kein Interesse an großem Baugebiet

Dennoch können sie auch einen Gegensatz in einigen Meinungen finden: „Jeder weiß, dass sich etwas tun soll, aber bitte nicht in seiner Nachbarschaft“, sagt Insa Wiegmann. Sie sehen auch mangelnde Information als Grund dafür, dass Teile des Ortes ihren Bauwunsch ablehnen. „Trotz des Grobkonzepts mit vier Häusern glauben die Leute immer noch, dass dort eine richtige Siedlung entsteht“, sagt Beier. „Wir haben auch kein Interesse, dass hier ein Baugebiet mit 15 Toskanavillen hinkommt. Wir wollen es auch schön haben“, führt Insa Wiegmann aus. Und dennoch ist laut Lena Sudau von der Gegenseite oft von einer „Massenbebauung“ zu hören oder von einem „Dominoeffekt“, der zur Folge hat, dass das ganze Südfeld bebaut wird.

Verschiedene Auslegungen zu Ergebnissen des Arbeitskreises

„Es müssten jetzt triftige Gründe kommen, warum der Bebauungsplan nicht beschlossen wird“, meint Dieter Beier. Auch Lena Sudau sagt: „Alle Punkte sprechen für dieses Grundstück.“ Dies sei schon im Ende 2011 eingesetzten Bürgerarbeitskreis so erkannt worden. Über diese Ergebnisse gibt es aber durchaus unterschiedliche Sichtweisen: Erst in dieser Woche hat Ortsbürgermeisterin Annette Kolley in einer Mitteilung geschrieben, dass die SPD bedauert, „dass bezüglich der Fläche am Südfeld die Ausarbeitungen des Bürgerarbeitskreises sowie die Argumente der Bürgerinitiative vor Ort bei den Entscheidern anscheinend keine Berücksichtigung gefunden haben“.

„Stimmung nicht so schlecht, wie sie rüberkommt“

Trotz dieser noch deutlich hervortretenden Meinungsunterschiede denken die vier Familien, dass die öffentliche Wahrnehmung eines zerstrittenen oder geteilten Dorfes falsch ist. Das Miteinander sei weiterhin gut. „Die Stimmung ist gar nicht so schlecht, wie sie immer rüberkommt“, meint Lena Sudau.