Ein Angebot der NOZ
Ein Artikel der Redaktion

Begleiter für Schwerlasttransporte Helle Zukunft für Firma Raabenschwarz

Von Birgit Stamerjohanns | 08.01.2019, 15:45 Uhr

Baumaschinen, Flügel von Windkraftanlagen oder andere Großbauteile: Wenn sich nachts die Schwerlasttransporte über die Autobahnen schieben, sind dort oft auch Fahrzeuge der Delmenhorster Firma Raabenschwarz dabei. Wie die Schwerlasttransporte zur Baustelle gelangen.

Vor Thomas Wiese liegen zwei Handys, daneben stehen der Festnetzapparat und ein Computer. Wenn es dumm läuft, geben alle Geräte gleichzeitig Klingeltöne von sich. Jedes einzelne sagt: Es ist dringend. „Manchmal kommen die Aufträge sehr spontan, weil vergessen wurde, ein Begleitfahrzeug zu bestellen oder weil sich ein Termin verschoben hat“, erklärt der Disponent des Delmenhorster Unternehmens Raabenschwarz. Der Kunde will dann sofort wissen, ob Wiese einen Wagen schicken kann. Meistens kann er. „Wir versuchen immer, alles für unsere Kunden möglich zu machen, weil das dann auch honoriert wird und wir Folgeaufträge bekommen.“ Vier Fahrzeuge hat das Unternehmen, dazu zwei festangestellte Fahrer. Wenn Not am Mann ist, hilft Wiese aus – und natürlich sein Chef, Olaf Raabe. Er ist Inhaber des Unternehmens für Großraum- und Schwerlastbegleitung.

„Bin in die Branche reingerutscht“

Wenn man Olaf Raabe vor einigen Jahren gesagt hätte, dass er einmal sein eigenes Unternehmen leiten wird, hätte ihn der Gedanke vermutlich amüsiert. Der gebürtige Ostwestfale hat früher im Bereich Kanalsanierung gearbeitet, anschließend als Fahrer von Begleitfahrzeugen. „Ich bin sozusagen in die Branche reingerutscht.“ Alles lief gut, doch dann starb plötzlich sein Arbeitgeber – ein schwerer Schlag für ihn und alle Kollegen. Raabe hatte die Möglichkeit, mit über 50 noch einmal neu anzufangen, Mitarbeiter des alten Betriebs zu übernehmen, sein eigener Chef zu werden. Oder auf der Straße zu stehen und sich einen neuen Job zu suchen. Raabe entschied sich für die erste Variante.

Kunden in ganz Deutschland

„Ich habe mich im Mai vergangenen Jahres selbstständig gemacht und anschließend Mitarbeiter eingestellt“, erinnert er sich. Für das Büro hat er einige Räume im Autohaus Reimann angemietet. Bereut hat Raabe sein Wagnis nicht, im Gegenteil. „Wir haben einen super Chef und ein tolles Team“, lobt Disponent Thomas Wiese, der seinen Vorgesetzten bereits aus der Vorgängerfirma kennt, „der Laden entwickelt sich prächtig.“ Weil es so gut läuft, legt sich Raabe jetzt zwei neue Wagen zu und ist auf der Suche nach weiteren Fahrern.

In der Schwertransport-Branche wird vor allem nachts gearbeitet. Dann sind die Autobahnen leerer und es ist einfacher, vor oder hinter einem Transport die Fahrstreifen abzusichern. Das Unternehmen hat sich auf den Transport von Maschinen spezialisiert, außerdem auf Baustellen-Koordination. Das bedeutet, die Laster müssen von der Autobahn zur Baustelle begleitet und dort eingewiesen werden. Die Kunden der Delmenhorster Firma sitzen in ganz Deutschland.

Fahrer oft über Tage unterwegs – zum Glück in komfortablen Kabinen

Oft sind die Fahrer mehrere Tage lang unterwegs, daher haben die Kastenwagen des Unternehmens eine relativ komfortable Innenausstattung: „Die Fahrer können in den Autos nicht nur übernachten, es gibt auch eine Koch- und eine Waschgelegenheit“, so Olaf Raabe. Das ist auch nötig, denn der Verkehr macht den Fahrern zunehmend zu schaffen. „Durch Baustellen und Staus auf den Autobahnen werden die Einsätze praktisch unberechenbar“, erklärt Thomas Wiese. In Deutschland sei die Verkehrsinfrastruktur ein echtes Problem, auch im Vergleich mit anderen Ländern.

Autofahrer missachten oft Warnzeichen

Wiese muss es wissen, er war 20 Jahre lang als Fahrer im In- und Ausland unterwegs. Dazu kommt, dass der Job als Fahrer eines Begleitfahrzeugs nicht ganz ungefährlich ist. Oft werden die sogenannten Wechselverkehrszeichen, die an den Wagen angebracht sind, schlichtweg missachtet. Autofahrer ärgern sich darüber, dass ein Schwertransport die Straße verstopft. Dabei sind die Raabenschwarz-Mitarbeiter dafür zuständig, die anderen Verkehrsteilnehmer zu schützen. Spaß macht die Arbeit trotzdem, da sind sich Raabe und Wiese einig, und Thomas Wiese hat sogar einen Traum: Er würde gern einmal einen U-Boot-Transport begleiten.