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Beliebte Verfechter des Plattdeutsch Friedrich Lange und „Tan’ Stina“ vor 125 Jahren geboren

Von Dirk Hamm | 06.08.2016, 12:00 Uhr

Die Bewahrung und Pflege des Plattdeutsch ist in Delmenhorst lange Zeit eng mit den Namen Friedrich Lange und Else Oekermann verbunden gewesen. Er machte sich als Autor niederdeutscher Lustspiele, Gedichte und Erzählungen einen Namen, die weit über die Grenzen der Region ausstrahlten. Sie bereitete Liebhabern der niederdeutschen Sprache mit ihren Erzählungen als „Tan’ Stina“ viele kurzweilige Stunden. Beide wurden, nur wenige Tage voneinander getrennt, vor 125 Jahren geboren.

Friedrich Lange verbrachte die ersten Jahre seiner Kindheit in der Wesermarsch, er hatte am 28. Juli 1891 in Berne das Licht der Welt erblickt. 1898 zog er mit seiner Familie nach Delmenhorst. Als ein einschneidendes Ereignis, das sein weiteres Leben verändern sollte, erwies sich ein langwieriger Krankenhausaufenthalt im Alter von 21 Jahren: Im Krankenbett las er das plattdeutsche Drama „Mudder Mews“ von Fritz Stavenhagen, eine Lektüre, die ihn innerlich stark berührte.

Else Oekermann wurde am 9. August 1891 in Delmenhorst geboren. Sie wuchs mehr oder weniger im Atelier ihres Vaters, des bekannten Fotografen Diedrich Kassens, an der Langen Straße auf. Nach dem Tod des Vaters übernahm sie 1927 das Fotogeschäft und entwickelte sich zu einer versierten Porträt- und Werbefotografin.

Preisausschreiben verlockte zum ersten Anlauf

Der berufliche Werdegang Friedrich Langes gestaltete sich schwieriger. Immer wieder um Fortbildung bemüht, ergatterte Lange 1920 die Stelle eines Registraturgehilfen im Kontor des Hansa-Linoleumwerks. Der lang gehegte Wunsch, selbst einmal ein niederdeutsches Volksstück zu Papier zu bringen und aufführen zu lassen, schien sich bald darauf zu verwirklichen: Bei einem Preisausschreiben des „Plattdütschen Vereens“ aus Bremen reichte der 30-Jährige sein erstes Stück „Hoch hennut“ ein. Zwar wurde der Vierakter mit einem Preis ausgezeichnet, doch der Autor verweigerte die Aufführung, hielt das Stück noch nicht für bühnenreif.

Ein Lustspiel bringt den Durchbruch

Anders verhielt es sich mit leichterer Kost, dem Lustspiel „Hogen Besöök“, das 1924 auf der Dorfbühne bei Gastwirt Adolf Menkens in Hoykenkamp mit großem Erfolg aufgeführt wurde. Das war der Durchbruch: Aus „Fidi“ Langes Feder flossen nun zahlreiche weitere volkstümliche Stücke, ab 1928 feierten sie Premiere bei den Niederdeutschen Bühnen in Delmenhorst und Oldenburg. Auch auf vielen anderen Bühnen des Nordens gelangten sie zur Aufführung.

Besonders großer Beliebtheit erfreuten sich Langes Werke während der Kriegs- und frühen Nachkriegsjahre, als die Menschen nach heiterer Ablenkung dürsteten. Ab 1956 widmete sich Lange, der am 10. September 1968 in Delmenhorst verstarb, ganz dem schriftstellerischen Schaffen.

Else Oekermann stieg auch in die Bütt

Else Oekermann war im Jahr 1952 mit ihrem Mann Diedrich nach Ganderkesee-Landwehr gezogen. In diesen Jahren entfaltete sich ihre Begeisterung für die plattdeutsche Sprache immer mehr, und als beredsame Erzählerin wusste sie mit ihren liebenswürdigen Döntjes und Erinnerungen an ihr „Demost“ bei vielen Festen und Versammlungen zu fesseln.

Älteren Lesern des dk dürften noch ihre Beiträge in ihrer eigenen Kolumne „Tan’ Stina schriwt an’t Kreisblatt“ in Erinnerung sein. Beim Ganderkeseer Fasching stieg sie in die Bütt und hatte die Lacher mit ihren Wärme und Herzlichkeit ausstrahlenden Geschichten auf ihrer Seite. Else Oekermann verstarb am 18. Juni 1977.