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Berliner Schauspieler zu Gast Theaterstück in den BBS I thematisiert Cybermobbing

Von Britta Buntemeyer | 04.06.2015, 17:38 Uhr

Beleidigungen, Bedrohungen, Mitläufer: Im medialen Zeitalter kann jeder zum Opfer von Mobbing werden – und zum Täter. Berliner Schauspieler haben das in den BBS I in Delmenhorst demonstriert.

Die 17-jährige Lea träumt davon, Sängerin zu werden. Als sie schließlich in eine Casting-Agentur aufgenommen wird, weckt das den Neid einiger Mitschülerinnen und Mitschüler, Sticheleien und Ausgrenzungen beginnen, und schließlich weiten sich Mobbing-Attacken gegen Lea in diversen sozialen Netzwerken sowie über diverse Online-Foren aus.

Wie schnell eine vermeintlich „kleine Rache“ ungeahnte Ausmaße annehmen kann, haben rund 300 Schüler der Berufsbildenden Schulen I (BBS I) am Donnerstag vorgeführt bekommen. Das Theaterstück „Fake oder War doch nur Spaß“, mit dem die Schauspieler Johanna Pollet und Alexander Abramyan vom Berliner Ensemble Radiks zu Gast waren, thematisiert Cybermobbing, Bedrohungen übers Telefon, den Missbrauch von Daten und welche Konsequenzen dies nach sich ziehen kann – für Opfer wie für Täter. Zwischen den Szenen erklärten sie die Sichtweisen der Protagonisten, und zeigten, wie schnell sich eine Eigendynamik entwickeln kann. Leas angeblich beste Freundin: „Ich hab doch nur angefangen, sonst habe ich doch gar nichts gemacht.“ Schnell springen weitere Jugendliche auf den Zug auf und mobben weiter.

„Wir haben den Eindruck, dass Cybermobbing zunimmt“, erklärte Beratungslehrerin Christa Freels, auf deren Initiative das Theaterstück organisiert wurde. Es seien jedoch eher die Lehrerkollegen, die sich an die Beratungslehrerin wenden, wenn sie den Verdacht haben, dass ein Schüler gemobbt wird. Wer das Stück realistisch fand, wollte Schauspieler Alexander Abramyan bei der anschließenden Diskussionsrunde wissen. Nahezu alle Schülerhände reckten sich in die Höhe. Protagonistin Lea schreibt zunächst als Reaktion auf die Hassnachrichten einen Rapsong und stellt ihn online. Ob man sich als Mobbingopfer denn nicht eher zurückzieht, fragte ein Schüler. „Die Betroffenen gehen ganz verschieden mit dem Mobbing um,“ erklärte Schauspielerin Johanna Pollet. „Manche ziehen sich zurück, manche werden sogar selbst aggressiv.„Einige Opfer gehen gegen das Mobbing an“, schilderte auch Sebastian Nitsch vom Präventionsteam der Delmenhorster Polizei. „Wenn sie es aber nicht schaffen, ziehen sie sich zum Schutz zurück.“ Aus eigener Kraft könnten sie irgendwann nicht mehr handeln. Auch gebe es viele Mitläufer, die einfach mitmachen. Mehr Zivilcourage wünschte sich Abramyan. „Man muss sich nicht immer überall einschalten und alles kommentieren.“