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Berufsorientierung an der IGS Delmenhorster Schüler testen Bewerbungssituation

Von Merlin Hinkelmann | 24.10.2016, 13:02 Uhr

Telefoninterview, Assessment-Center, Bewerbungsgespräch: Beim Berufsorientierungsprogramm probten Schüler der IGS für den „Ernstfall“.

Der Druck steigt. Ihre Stärken? Schwächen? Inwiefern wären Sie eine Bereicherung für unser Unternehmen? Peter Wenzel stellt Fragen im Sekundentakt. Sein Gegenüber, Philip, bleibt ruhig, souverän. Keine Schweißperlen. Kein nervöses Zucken. Er will die Stelle unbedingt bekommen und gibt sich größte Mühe. Ob es am Ende für den Traumjob reicht? Darüber muss sich Philip in diesem Moment keine Gedanken machen. Denn das Bewerbungsgespräch ist nur eine Übung. Noch. 105 Schüler der neunten Klassen an der IGS nahmen eine Woche lang an einem Berufsorientierungsprogramm teil – und probten für den „Ernstfall“.

Vom Kultusministerium gefördert

„Unser Motto lautet: Keep calm and get the job“, erläutert Silvia Rößner, Bildungsberaterin bei Fachwerk. Die gemeinnützige Organisation mit Hauptsitz in Vechta hat das Programm mit dem Namen„handlungsorientiertes Training für die Realisierung von Ausbildungswünschen“ ins Leben gerufen. Fachwerk kooperiert dabei mit der Koordinierungsstelle Berufsorientierung vom niedersächsischen Kultusministerium, die durch die Ausschreibung solcher Orientierungsangebote die Schulen entlasten will. So war das Programm für die IGS kostenlos.

Assessment-Center und Bewerbungsgespräche

In 25 Unterrichtsstunden haben die Schüler Vorstellungsgespräche und Telefoninterviews geübt und Assessment-Center durchlaufen. Dabei wurden sie gefilmt, um ihr Verhalten später reflektieren zu können, wie Stephanie Lübbers weiß, die als Bildungsmanagerin von Fachwerk das Projekt begleitet hat. „Wir haben mit den Jugendlichen besprochen, wie sie Prüfungsangst bewältigen. Auch Zeitmanagement und Frustrationstraining waren Teil des Programms.“ Ebenso wie eine kleine Modenschau, bei der die Schüler sich ganz professionell in Schale werfen mussten.

Delmenhorster Betriebe stellen Berufe vor

An zwei Tagen kamen zudem „Experten“ von sieben Delmenhorster Betrieben in die Schule und stellten Berufe und deren Voraussetzungen vor. Peter Wenzel ist so ein „Experte“. Der Geschäftsführer der Firma Christoffers gab den Schülern Einblick in drei Ausbildungsberufe: Anlagenmechaniker für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik, Mechatroniker für Kältetechnik und Elektroniker für Energie- und Gebäudetechnik. Seine Motivation: „Wir brauchen einfach guten Nachwuchs im technischen Bereich.“ Es sei wichtig, dass die Schüler sich mit dem regionalen Arbeitsmarkt vertraut machen, sagt Silvia Rößger. Die Experten simulieren mit den Schülern die Bewerbungsgespräche. Dadurch sei das Projekt „sehr praxisnah“.

Schüler positiv überrascht

Das Feedback der Schüler sei durchweg positiv, so Rößger. „Ich habe gelernt, im Gespräch die Ruhe zu bewahren und mich nicht unter Druck setzen zu lassen“, berichtet Livia Lieckfeldt (14). Besonders spannend fand sie das Assessment-Center. „Ungewohnt, aber sehr hilfreich.“ Eine berufliche Richtung hat sie schon im Kopf. „Ich möchte später im medizinischen Bereich arbeiten, vielleicht als Kinderkrankenschwester.“ Eine lehrreiche Erfahrung für Mohammed Özden (15) war das Schreiben der Bewerbung. „Da bin ich jetzt viel sicherer geworden.“