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Besuch bei muslimischer Familie Ramadan in Delmenhorst: Eine Zeit des Fastens und Teilens

Von Jan Eric Fiedler | 16.07.2015, 00:19 Uhr

Morgen endet für Millionen Muslime weltweit der Fastenmonat Ramadan. Das dk hat eine Delmenhorster Familie besucht und mit ihr beim abendlichen Fastenbrechen über ihr Erleben des Ramadan gesprochen.

Inmitten des Monats fiel in diesem Jahr eine außergewöhnliche Hitzewelle: Vor zehn Tagen kletterten die Temperaturen in Delmenhorst auf rekordverdächtige 37 Grad – eine schwierige Situation, wenn während des Tages nichts getrunken werden darf.

Tage lassen sich ohne Wasser überstehen

Doch lassen sich auch solche Tage ohne Wasser überstehen: „An heißen Tagen kommt es natürlich vor, dass man Durst hat“, berichtet Funda Sari-Reis. Die 37-jährige Delmenhorsterin und ihr Mann Rauf verzichten während des Ramadan von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang auf Speisen und Getränke. „An solchen heißen Tagen trinkt man dann beim abendlichen Fastenbrechen natürlich erst einmal viel Wasser“, sagt Funda Sari-Reis.

Verzicht auf Kaffee fällt schwer

„Die ersten zwei, drei Tage dauert es, bis man sich daran gewöhnt hat. Es geht sehr schnell“, berichtet sie. Ihr Mann bereitet sich einige Tage im Voraus auf den Ramadan vor: „Ich trinke keinen Kaffee mehr, nehme weniger Essen mit zur Arbeit, verzichte einmal auf den Mittagstisch“, erzählt er. Gerade der Verzicht auf den Kaffee – fünf Tassen müssen es für ihn schon pro Tag sein – ist für ihn eine Herausforderung.

Auch eine Zeit des Teilens

Der Ramadan ist der neunte Monat des islamischen Mondkalenders. In ihm wurde nach islamischer Auffassung der Koran erstmals offenbart. Neben dem Fasten ist das soziale Miteinander ein wichtiger Bestandteil. Oft gibt es Besuch zum Fastenbrechen am Abend. So sind auch an diesem Tag Funda Sari-Reis‘ Cousine Meltem Ayik mit ihrem Mann Ismet sowie Yusuf Alıç, Vorsitzender des Delmenhorster Integrations- und Bildungsvereins, zu Gast. „Dass man teilt und abgibt, ist wichtig“, sagt Alıç. So ist der Ramadan auch ein Monat, in dem viel gespendet wird. Das Essen wird bewusster wahrgenommen: „Wir wissen, dass wir abends ein tolles Essen bekommen“, erklärt Funda Sari-Reis. Dadurch sowie durch den bewussten Verzicht wachse auch das Bewusstsein, dass es vielen Menschen nicht so gut geht.

Kollegen zeigen sich tolerant

Auch die Wahrnehmung des Ramadan bei Nicht-Muslimen hat sich in den vergangenen Jahren geändert. Dies merkt Rauf Sari-Reis bei der Arbeit bei der Lürrsen-Werft: „Die Kollegen zeigen Respekt.“ Seine Kollegen verzichten im Ramadan darauf, ihr Pausenbrot vor seinen Augen zu essen. Ismet Ayik konnte seine Arbeitszeiten in den Bremer Stahlwerken anpassen: Während des Ramadans arbeitet er ausschließlich in der Frühschicht. „Das Fasten wird mehr akzeptiert, das merkt man beispielsweise beim Iftar-Mahl“, meint Meltem Ayik.

Mehr als zwei Stunden, bis kurz vor Mitternacht, dauert das gemeinsame Essen. Das köstliche Mahl und die Geselligkeit entschädigen für das Fasten über den Tag. Und so meint Alıç schließlich: „Schade, dass der Monat schon fast vorbei ist.“