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Besuch beim Lego-Stammtisch Delmenhorster mit Lego-Abenteuern im Kopf

Von Kai Hasse | 10.10.2017, 10:41 Uhr

Mit Lego spielen ist nicht allein Sache von Kindern. Auch Erwachsene entdecken das Spiel mit den kleinen Bausteinen als Hobby für sich. Ein Besuch beim Lego-Stammtisch in Delmenhorst enthüllt große Begeisterung für die eigenen kleinen Geschichten mit den Spielsteinen.

Die Lego-Bastler aus Delmenhorst sind keine Unbekannten: In den vergangenen Jahren haben sie die Lego- und Playmobil- Börsen im Herbst organisiert, oder sie sind bei Jugend-Projekten eingebunden, bei denen Kinder zusammen kreativ werden sollen. Die Männer und Frauen des Lego-Stammtisches selbst sind eine verspielte Truppe von Hobbybauherren, die einander beflügeln und beraten.

„Herzblatt“ bis „A-Team“

Bei den Treffen an jedem letzten Freitagabend des Monats kommen die Mitglieder zusammen und bringen mit, was sie in den vergangenen Wochen zusammengebastelt haben. Gebaut wird im Prinzip alles, was geht: Kleine Szenen aus der Flirt-Show „Herzblatt“, ein Auftritt der Band „ABBA“, das „A-Team“ der gleichnamigen amerikanischen Action-Serie, besondere Fahrzeuge oder ikonische historische Szenen wie Feuerwehrmänner auf „Ground Zero“ in New York.

Seitenweise Lego-Bilder

Bei dem Treffen wühlen Mitglieder in einer großen Waschwanne mit kleinen Lego-Teilen. Es werden Fotobände herumgereicht. Darauf Abbildungen von neuesten Lego-Bauwerken oder solchen, die man einmal imitieren will. Jochen beispielsweise blättert das kleine Foto-Buch durch. Alles seine Werke, darunter auch große Eisenbahn-Arrangements. Man muss ein wenig zu Hause aufpassen, dass man das Haus nicht mit den Werken zustellt. Er hat es gut: Seine Eisenbahn-Landschaften kann er, weil die Teile auf der Unterlage halten, platzsparend hochkant aufstellen. Und wenn er will, kann er sie flach hinlegen und spielen. Er sagt „spielen“, wie ein Kind es auch sagen würde. „Bei mir hat es gedauert, bis ich zu Lego gefunden habe“, sagt er, „70 Jahre.“ Jochen ist 76.

Wie eine Therapie

Dass man ein wenig für ein Sonderling gehalten wird, wissen die Mitglieder hier. Aber das kümmert sie nicht sehr. Stammtisch-Chef Matthias Grebe: „Viele meinen auch, dass das ein cooles Hobby ist.“ Das gelte vor allem dann, wenn man Bilder sprechen lässt. Die Mitglieder haben alle aussagestarke Fotos von ihren Arrangements auf den Handys. Sie drängeln etwas, um sie dem Pressemann zu zeigen. Ein wenig wie eine aufgeregte Rasselbande Kinder, die ihr neuestes Spiel-Auto zeigen wollen. Wie Jochen, der ältere Mann, dessen seriöser Auftritt ein Kontrast zu seiner kindlichen Begeisterung für Lego ist. „Wenn ich anderen von meinem Hobby erzähle oder wenn sie mich spielen sehen, lächeln die innerlich“, sagt er, „das sehe ich.“ Sein Lieblingsstück ist eine Lokomotive mit Kohlenanhänger, in der ein Mikrofon samt Elektromotor steckt: Wenn er in der Nähe in die Hände klatscht, fährt die Lok los. Klatscht er nochmal, hält sie. Da bekommt er Lachfalten, und man muss – Recht hat er – innerlich lächeln. Lego hat ihm geholfen, als es im Leben mal nicht gut lief für ihn. „Lego war in der schweren Zeit wie eine Therapie für mich. Lego und der Glaube. Es hat mir Halt gegeben.“

Der Chinese ist leider pleite

Vielleicht unerwartet: Manche Mitglieder sind auch weiblich. Und zumindest ein wenig merkt man das dann auch an dem, was sie bauen. Es ist auch mal pink, und es gibt andere Themen. „Ein wenig tut sich da das Klischee auf“, sagt Grebe. Es gibt Szenen aus der Serie „Friends“ oder Elfenszenen. „Legoistin“ Irene Schunk hat beispielsweise auch ein ganzes Stadtviertel aufgebaut – komplett mit Gemüseladen oder Chinesischem Restaurant. „Der Chinese hat aber leider zu gemacht, der ist pleite“, sagt sie mit einem Grinsen. Das Beispiel soll zeigen: Man baut da nicht nur irgendwas. Man denkt sich Geschichten in die Szenerien hinein mit Namen und Handlungsabläufen.

Stundenlanger Blick in die Eigenkreationen

Irene Schunk hat, um ihrer Straßenszene ein letztes Detail zu verpassen, einen Aufkleber von einer handelsüblichen Banane gezogen, die kleine Abbildung der Banane ausgeschnitten und auf ihr Lego-Arrangement geklebt. Dort liegt sie wie eine heruntergefallene Frucht vor dem Lego-Gemüsestand. „Ich schaue mir deine Modelle unheimlich gerne an“, sagt Matthias Grebe zu Schunk, „man entdeckt immer wieder etwas Neues.“ Stundenlang könne man in die „Mocs“ hineinsehen. Moc steht für „My own creation“, also die Eigenkreation – im Gegensatz zu den vorgefertigten Modellen des Herstellers Lego. Zwar sei es zum Teil sehr schwer, bestimmte Bauteile für ein Moc zu finden. Aber der Konzern Lego versuche, auf die Wünsche der „AFOLs“ einzugehen. Noch ein Fachwort: „AFOL“ steht für „Adult fans of Lego“, erwachsene Lego-Fans.

Das Abenteuer im Kopf

„Andere Leute gehen ins Kino“, sagt Grebe. Dort, oder in Büchern, Liedern oder Spielen finden sie das eigene kleine Abenteur im Kopf, in das man gern abtaucht und den Alltag vergisst. Nichts anderes sei Lego. Und manchmal packt der Rausch des Bauens und damit Spielens die Mitglieder so sehr, „dass es irgendwann zwei Uhr nachts ist – und man das Abendessen vergessen hat“. Und ist das nicht schlecht für die Ehe? Man schüttelt den Kopf, und vier Leute – inclusive Frauen – sagen gleichzeitig „Nein.“ Aber gut sei es für die Kreativität, fürs Abschalten, oder für manchen eine Art Meditation.

Das augenzwinkernde Fazit „Ihr seid Spielkinder, Leute“ zum Schluss des Pressetermins verstehen die „AFOLs“ übrigens gern als Auszeichnung.

Nächste Termine

Die nächsten Termine, bei denen man die Legoisten sehen kann sind bei der Ausstellung „Steinstark“ in Bookholzberg am Wochenende des 21. und 22. Oktober in der Mehrzweckhalle INN-tegrativ in der Apfelallee 1, sowie nach bisherigem Plan am 18. November bei der Lego- und Playmobilbörse in der Markthalle Delmenhorst.