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Betriebsklima an erster Stelle „Doller Abschluss“ zweitrangig

Von Alexander Schnackenburg | 26.07.2015, 20:12 Uhr

Berührungsängste gibt es in dem Delmenhorster Familienunternehmen nicht. Hauptsache ist, dass die Mitarbeiter nett, fleißig und loyal sind, sagt Harald Mausolf. Die Beschäftigten schätzen das gute Arbeitsklima.

Oktay Celik und Petrus Celik tragen zwar den gleichen Nachnamen, sind aber nicht miteinander verwandt. Der eine ist Kurde, der andere Aramäer. Was die beiden verbindet, ist der Arbeitsplatz: Oktay Celik arbeitet als Geselle, Petrus Celik als Lehrling in der „H. Mausolf GmbH“. Das Delmenhorster Familienunternehmen kümmert sich um Sanitär-, Heizungs- und Umwelttechnik.

„Wir haben auch noch einen türkischen Meister“, berichtet Harald Mausolf, und schränkt gleich ein, dass er sich gar nicht restlos sicher sei, ob es sich bei diesem Meister um einen Türken, Kurden oder um einen Aramäer handele. Es sei nämlich im Grunde egal. Wichtig sei, dass der Meister „ein feiner Kerl“ und fleißig sei.

Der 69-jährige Harald Mausolf, der die Firma vor ein paar Jahren an seinen Sohn Mirco übergeben hat, arbeitet nur noch aus freien Stücken als „Betriebsleiter“ in der Firma: weil es ihm Spaß mache. „So lange der liebe Gott mich lässt und mein Sohn mich duldet“, sagt er mit verschmitztem Lächeln, wolle er auch weiterhin Sanitär- und Heizungsanlagen zusammenbauen und instand halten, vor allem aber: sich um die Auszubildenden kümmern.

Denn dass ihm die Arbeit so viel Freude bereitet, führt Mausolf auf das Betriebsklima in seinem Unternehmen zurück. Nicht umsonst habe seit 20 Jahren keiner seiner Angestellten gekündigt, so der Senior-Chef. Um aber das gute Arbeitsklima es zu erhalten, gelte es beim Personal die richtigen Weichen zu stellen.

Praktikum kann Weg zur Lehre ebnen

Berührungsängste gebe es dabei nicht, man müsse einfach spüren, wer in die Firma passe, wer nicht. Ein „doller Abschluss“ sei hierbei eher nebensächlich, findet er, ein ordentlicher Hauptschulabschluss genüge, sofern der angehende Mitarbeiter eben nett und fleißig sei, loyal. Mausolf erinnert sich, schon mit Griechen, Italienern, Russen, Polen und Männern vom Balkan gearbeitet zu haben – ohne Berührungsängste. Das solle auch so bleiben.

Tatsächlich ist auch Petrus Celik, der sich dem Ende seiner Lehrzeit nähert, deswegen bei Mausolf gelandet, weil ihm ein Geselle der Firma von dem Unternehmen und dessen Arbeitsklima vorgeschwärmt habe. Inzwischen habe er festgestellt, dass alles „noch viel besser“ sei bei Mausolf, sagt er. Die Arbeit mache ihm Spaß, die Kollegen seien alle „gut drauf“. „Was will ich mehr?“, fasst Celik zusammen. Auch freut er sich bereits auf den nächsten „netten Kollegen“: auf den 19-jährigen Artur Braun, einen russisch stämmigen Deutschen, der im August in dem Unternehmen anfangen wird.

Braun hatte seinen künftigen Chef im Zuge seines Praktikums davon überzeugt, dass er ins Unternehmen passe. Er möchte sich, wie er sagt, bei der Arbeit auspowern und gleichzeitig denken. „Das kann er hier!“, versichert Harald Mausolf schon einmal – und hat noch einen Tipp für andere junge Frauen und Männer parat, die einen Ausbildungsbetrieb suchen: „Es macht natürlich einen guten Eindruck, wenn der Bewerber von sich aus vorschlägt, erst einmal ein Praktikum zu machen, um zu zeigen, was er kann.“ Noch besser, wenn dieser Bewerber obendrein „nett“ sei.