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Betrug in Delmenhorster Autohaus Fast vier Jahre Haft für 220.000 unterschlagene Euro

Von Ole Rosenbohm | 20.12.2018, 19:44 Uhr

Innerhalb eines Jahres hat es eine Buchhalterin in einem Delmenhorster Autohaus geschafft, insgesamt 220.000 Euro zu unterschlagen. Nun muss sie für fast vier Jahre ins Gefängnis.

Mit der Verhängung einer Haftstrafe von drei Jahren und elf Monaten ist ein Untreue- und Betrugsverfahren vor dem Oldenburger Landgericht um ein Delmenhorster Autohaus am Donnerstag, 20. Dezember, zu Ende gegangen. Die 40-jährige Angeklagte hatte nach Überzeugung des Gerichts in etwa einem Jahr Anstellung als Buchhalterin dem Unternehmen 220.000 Euro abgenommen.

Reisen und Handtaschensammlung aus der Betrugsbeute

13 Mal soll die Frau dabei Bareinnahmen selber eingesteckt haben. In zwei Fällen überwies sie sich insgesamt 53.000 Euro. Zudem soll sie für einen Verwandten eine Quittung über 17.000 Euro ausgestellt haben, ohne das Geld geflossen war. Beim versuchten Betrug blieb es, als ein Verkäufer einen Ausdruck einer vermeintlichen Online-Überweisung für einen Autokauf als Fälschung erkannte. Die insgesamt 17 Fälle liegen fünf Jahre zurück. Mit dem Geld finanzierte die 40-Jährige Autos, Reisen sowie unter anderem eine Sammlung wertvoller Handtaschen. Aufgefallen waren die Taten erst, als der Betrieb trotz guter Geschäfte in Zahlungsschwierigkeiten kam.

Frau musste kein Führungszeugnis vorlegen

Man habe es der Angeklagten leicht gemacht, kritisierte der Vorsitzende Richter Horst Kießler. Erst habe sie bei Einstellung kein Führungszeugnis vorlegen müssen, aus dem hervorgegangen wäre, dass sie bereits wegen Betrugs eine Haftstrafe abgesessen hatte. Dann sei die für Einnahmen und Löhne zuständige Buchhalterin niemals überwacht worden. Erst als kein Geld mehr dagewesen sei, habe man „mal nachgeguckt“.

Möglicher offener Vollzug

Im Urteil würdigte das Gericht ein den Prozess verkürzendes Geständnis durch die Angeklagte. Mit der Einlassung griff eine zwischen Gericht, Staatsanwaltschaft und Verteidigung geschlossene Verständigung über das Strafmaß, das demzufolge nicht höher als vier Jahre und fünf Monate liegen durfte. Letztlich erreichte die Verteidigung ihr Ziel einer Haft von nicht mehr als vier Jahren, womit die Familienmutter die Möglichkeit auf offenen Vollzug besitzt.

Ganz beendet ist der Fall nicht. In einem weiteren Verfahren will die Kammer klären, wie viel die 40-Jährige vom Schaden bereits beglichen und wie viel sie noch zurückzahlen muss. Zudem läuft noch ein von der Firma angestrengter Zivilprozess gegen die Frau. Das Autohaus geht von einer Schadenssumme von über 400.000 Euro aus.