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„Betrug nicht übler vorzustellen“ Landgericht verhängt hohe Strafe gegen Delmenhorster

Von Ole Rosenbohm | 28.09.2017, 19:19 Uhr

Ein wegen Bandenbetrugs angeklagter Delmenhorster muss sechs Jahre ins Gefängnis. Dieses Urteil fällte am Donnerstag das Landgericht Oldenburg.

Zur Last gelegt wurden ihm zehnfacher gewerbsmäßiger Bandenbetrug. Opfer waren immer Menschen im hohen Alter. Insgesamt hat der Mann laut Urteil 208118 Euro erlangt. Das Gericht ordnete die Einziehung an.

Wie mehrfach berichtet gaben sich die Betrüger am Telefon als Polizisten oder gar Staatsanwalt aus. Den vertrauensseligen Opfern wurde oft über mehrere Tage vorgespielt, ihr Geld sei bei Bank oder in Safe in großer Gefahr, da etwa Angestellte der Filiale zur Mafia gehören würden. Um das Geld zu schützen, sollten sie es abheben und den bald vor der Tür stehenden vermeintlichen Polizisten übergeben.

Masche funktioniert über Jahre

Seit Jahren funktioniert diese Masche, die Anrufer sitzen in der Türkei, vor Ort organisieren andere die Abholung – etwa der angeklagte 27-Jährige. Der holte das Geld nicht selber ab, sondern engagierte andere, die vor den Türen der über Deutschland verteilten Opfer auftauchten und die Plastiktüten mit Bargeld und Schmuck in Empfang nahmen. Zehn Prozent hätte die Provision betragen, den Rest deponierte der Angeklagte, berichtete er, unter einem Müllcontainer in Heidkrug zur Abholung durch Unbekannte.

Ein Betrug ohne Skrupel, sagte Richter Horst Kießler. Gezielt hätten sich die Täter schwache Menschen ausgesucht: betagte, die „noch vertrauen haben, wenn die Polizei sie anruft“. Es sei „ein Betrug, den man sich übler gar nicht vorstellen kann“.

Auch kurze Haft kann Täter nicht vom Weg abbringen

Dass er auch einmal erwischt wurde, war dem Angeklagten offenbar auch egal: Wenige Tage nach einer kurzen Haft war er bereits wieder aktiv. Und als seine drei Abholer erwischt wurden, besorgte er sich andere.

Mit dem Urteil folgte das Landgericht weitgehend der Staatsanwaltschaft. Der Anwalt des Angeklagten hatte auf dreieinhalb Jahre Haft plädiert.