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Beute im Wert von über 50.000 Euro Delmenhorster gibt zehn Einbrüche vor Gericht zu

Von Ole Rosenbohm | 06.07.2018, 18:02 Uhr

Der 40-Jährige brach laut eigener Aussage in acht Delmenhorster Wohnungen und Häuser sowie zweimal in Weyhe ein. In einem Fall nahm er mit einem Komplizen über 120 Schmuckstücke und Uhren im Wert von 22.000 Euro mit. Auch im Diebesgut: Ferngesteuerte Autos, Werkzeug oder ein Vibrator.

Immer wieder Einbruchsserien: Allein für Richterin Judith Blohm, Vorsitzende am Landgericht Oldenburg, hat am Freitag die dritte Verhandlung dieser Art in diesem Jahr begonnen. Angeklagt ist ein 40 Jahre alter Mann aus Delmenhorst. Vorgeworfen werden ihm elf Einbrüche, acht davon in Delmenhorst, dreimal mit einer anderen Person. Erbeutet haben soll er von Juli bis Oktober 2017 hauptsächlich Schmuck, Elektronik und Bargeld, auch mal Bohrmaschinen, Akkuschrauber, ein ferngesteuertes Auto und einen Vibrator. Gesamtwert: rund 55000 Euro.

Ins Haus durch auf Kipp stehende Fenster

Die meisten angeklagten Taten gab der Mann zu. Lediglich den letzten Einbruch auf der Liste – den einzigen in Ganderkesee – will er nicht begangen haben. Er sei noch nie in Ganderkesee gewesen. Zudem bestritt er in einem Fall eine angezeigte Summe von 4000 Euro Bargeld mitgenommen zu haben.

Beim 40-Jährigen handelt es sich um einen erfahrenen Täter. Zuletzt war er bis Mai 2017 wegen Einbruchdiebstählen inhaftiert. Vor seinen Brüchen habe er lange geklingelt und geklopft, wollte sicher sein, niemanden anzutreffen. Waren Rollläden geschlossen, ging er weiter. War die Luft rein, drückte er auf Kipp stehende Badezimmerfenster oder Terrassentüren auf. Selten schlug er eine Scheibe ein.

Mit der Beute ins Pfandhaus nach Bremen

In zwei der angeklagten Fälle ging er leer aus, aber meistens hatte er Glück. Einmal richtig großes: Aus einem Haus in Weyhe nahm er Uhren und Schmuck im Wert von 22.000 Euro mit, über 120 Posten. Der Tipp soll über Ecken von einer Putzfrau gekommen sein. Wie auch in den meisten übrigen Fällen machte er die Beute in einem Bremer Pfandhaus zu Geld. „Schnell und unkompliziert“, sagte er. Das habe er in Kokain umgesetzt, er sei stark abhängig.

Komplize stand Schmiere

Der Fall mit der großen Beute am 17. Oktober war der nervenaufreibendste. Denn als der 40-Jährige im Obergeschoss die Kommodenschublade mit all dem Schmuck und die in offenen Schatullen aufgestellten Uhren in ein Kopfkissenbezug schüttete, fuhr ein Auto auf den Hof, berichtete der Angeklagte – offenbar brachte der Besitzer kurz etwas nach Hause. Der Angeklagte verschwand nach draußen, versteckte sich und ging, nachdem der Besitzer nach Minuten wieder mit dem Auto verschwand, erneut durch die schon aufgebrochene Terrassentür ins Haus, um die Beute im Kopfkissenbezug herunterzuschaffen. Begleitet wurde der Angeklagte in diesem Fall von einem „Schmiere“ stehenden Komplizen.

Bleibt die Frage, warum der Pfandleiher niemals misstrauisch wurde beim nach eigener Aussage damals recht „zerstört“ aussehenden Mann, der regelmäßig dort sein Diebesgut umsetzte. „Die hätten eigentlich Zweifel haben müssen, wenn da jede Woche jemand kommt und Goldschmuck bringt“, sagte selbst der Angeklagte.

Kommenden Montag wird der Prozess fortgesetzt.