Ein Angebot der NOZ
Ein Artikel der Redaktion

Müllsammeln in Delmenhorst und Stuhr So lautet die Bilanz der Aufräumaktionen 2019

Von Vincent Buß | 30.03.2019, 18:41 Uhr

Delmenhorst und die Gemeinde Stuhr sind am Samstag, 30. März, vom Müll befreit worden. Die Organisatoren haben eine Theorie, warum in diesem Jahr besonders viele Freiwillige mitgemacht haben.

Wenn sich jemand mit Müll in der Landschaft auskennt, dann die "Reisemobilfreunde Delmenhorst un umto". "Wenn ein Campingplatz dreckig ist, fahren wir sofort weiter", erklärte Mitglied Wolfgang Vieluf am Samstag auf dem Parkplatz Graftwiesen. Dort trafen sich die Reisemobilfreunde, um gemeinsam im Rahmen der Aktion "Delmenhorst putzt sich heraus" den Bereich um die Wohnmobil-Stellplätze aufzuräumen. "Wir wollen schließlich einen guten Eindruck machen, für Camper, die hierherkommen", sagte Vieluf.

Und es gab ihm zufolge einiges zu tun. "Es ist mehr Müll geworden", findet der 72-jährige Delmenhorster. Doch, was weggeworfen werde, habe sich geändert. "Früher war es mehr Sperrmüll." Sogar einen Kühlschrank hätten die Reisemobilfreunde schon einmal gefunden. "Heute ist es allerdings öfter Kleinkram", beobachtete er. Verpackungen von Fast-Food-Restaurants etwa und vor allem kleine Kärtchen, die Autohändler an die Fahrzeuge stecken.

Die Devise vieler Menschen ist laut Vieluf: "Fenster auf und raus – pure Gedankenlosigkeit." Der Delmenhorster hatte aber eine Idee, was helfen könnte: mehr Mülleimer auf dem Parkplatz. Die Reisemobilfreunde sind zum neunten Mal dabei. Meist waren sie laut Vieluf mit 20 Leuten unterwegs gewesen, dieses Mal waren es sogar rund 30. Unter ihnen der Delmenhorster Jürgen Leiske und Hund Charly:

Das ist die Bilanz in Delmenhorst

Das passt zu den Zahlen von Monika Grenzdörfer, die als Mitarbeiterin des Fachdienstes Umwelt die Aufräumaktion "Delmenhorst putzt sich heraus" betreut. 1283 Freiwillige hatten sich ihr zufolge angemeldet – ein Rekord, wie sie sagt. Rund 940 waren bereits am Mittwoch unterwegs, als Kitas, Kindergärten und Schulen die Stadt aufräumten. Somit beteiligten sich letztendlich auf jeden Fall mehr Menschen als im vergangenen Jahr: 2018 waren 765 Freiwillige unterwegs. Die Aufräumaktion findet statt in verschiedenen Bereichen der Stadt:

Auch im Tiergarten waren Helfer unterwegs:

Grenzdörfer war sehr zufrieden mit der Teilnehmerzahl, dem Wetter und der Stimmung. Doch bei der Versorgung der Teilnehmer kam es ihr zufolge zu einem Problem: "In der Schützenhalle gab es zu wenig Suppe." Grenzdörfer bedauerte das und versprach Besserung im nächsten Jahr.

So lautet das Fazit aus Stuhr

Nicht nur in Delmenhorst waren Freiwillige unterwegs, sondern auch in Ganderkesee und Stuhr. Lothar Wimmelmeier von der Wirtschaftsförderung der Gemeinde Stuhr berichtete, dass besonders viel Müll an den stark befahrenen Durchgangsstraßen wie der B51 gefunden worden sei.

"Und wir haben wieder interessante Dinge entdeckt", merkte er an. Etwa Heizkörper und Teppichboden in Heiligenrode, Matratzen in Brinkum, einen Staubsauber in Seckenhausen und sogar abgetrennte Wildschweinfüße in Fahrenhorst. "Ansonsten waren es viele To-Go-Produkte, Flaschen und Plastik."

Wimmelmeier schätzte, dass in den verschiedenen Ortsteilen insgesamt rund 300 Leute Müll sammelten – rund ein Drittel von ihnen in Brinkum. Auch in Varrel waren Helfer unterwegs:

"Das ist eine deutliche Steigerung zum Vorjahr." 2018 halfen dem Wirtschaftsförderer zufolge circa 200 Personen.

Die Organisatoren sehen einen Trend

Damit lag auch Stuhr in dem Trend, den Grenzdörfer ausmachte. Sie berichtete, mit Kollegen der Aktion "Der Norden räumt auf" gesprochen zu haben, zu der auch "Delmenhorst putzt sich heraus" gehört. Auch in anderen Kommunen habe es mehr Anmeldungen gegeben. Sowohl Grenzdörfer als auch Wimmelmeier vermuteten, dass unter anderem die aktuelle Diskussion um Plastikmüll und Klimaschutz die Menschen motiviere.

Manche lockte es offenbar sogar ganz spontan heraus zum Sammeln. An der Schaftrift in Delmenhorst sei ein Haufen zusammengesuchter Müll gefunden worden ohne, dass sich jemand dort angemeldet habe, erzählte Grenzdörfer. "Sie hinterließen nur einen Zettel mit der Aufschrift: 'Bitte keinen Müll wegwerfen. Die Umweltfreunde.'" Grenzdörfer begrüßte zwar den Einsatz, bat jedoch, sich beim nächsten Mal anzumelden. Denn sonst weiß die Abfallwirtschaft Delmenhorst GmbH (ADG) nicht, wo sie am Montag den Müll abholen muss.