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Bildband über Haus Hohehorst Schlossartiges Herrenhaus für Delmenhorster Unternehmer

Von Dirk Hamm | 03.12.2016, 10:50 Uhr

Der Absturz hätte dramatischer nicht sein können für G. Carl Lahusen: Der Konzernlenker musste nach dem Zusammenbruch der Norddeutschen Wollkämmerei & Kammgarnspinnerei (NW&K) im Juli 1931 den prachtvollen Wohnsitz seiner Familie gegen eine Arrestzelle eintauschen. Wegen des Verdachts des Konkursvergehens war der ehemalige Nordwolle-Chef verhaftet worden.

Lahusen wurde mit seinem persönlichen Vermögen haftbar gemacht. Infolgedessen verkündete eine großformatige Anzeige in den Bremer Nachrichten am 30. November 1931 für die beiden Folgetage die Versteigerung der gesamten Einrichtung aus seinem Wohnsitz. Das Inventar der mehr als 100 Zimmer des nördlich von Bremen in einer weitläufigen Parkanlage gelegenen schlossartigen Herrenhauses Hohehorst kam zwangsweise unter den Hammer.

Großbürgerliches Anwesen suchte seinesgleichen

Erst wenige Jahre zuvor, in den Jahren 1928/29, war die gewaltige Familienresidenz für G. Carl und Louise Lahusen und ihre zwei Söhne errichtet worden. Der Bau ersetzte die deutlich kleiner dimensionierte Villa Hohehorst, die abgerissen wurde. Im Fabrikmuseum auf der Nordwolle in Delmenhorst ist neben einem Modell des Herrenhauses ein aufwendig gestalteter Bildband mit dem schlichten Titel „Hohehorst“ ausgestellt.

Das eigens für den ausgewählten Kreis von Verwandten, Freunden und Geschäftspartnern aufgelegte Werk dokumentiert einen großbürgerlichen Wohnsitz, der damals im Bremer Raum hinsichtlich seiner Größe und Ausstattung seinesgleichen suchte. Die Außen- und Innenaufnahmen wurden von namhaften Architekturfotografen angefertigt.

Konzernchef bevorzugte konservative Einrichtung

Die hochwertige Machart des Bandes mit seinen 140 ganzseitigen Schwarz-Weiß-Bildtafeln korrespondiert mit dem ausgeprägten Repräsentationsbedürfnis von G. Carl Lahusen, wie es sich in dem viergeschossigen Herrenhaus niederschlug. Als „sehr hochwertig, aber konventionell, wenn nicht konservativ“ lasse sich die Einrichtung des Hauses beschreiben, sagt Hans-Hermann Precht, ehemaliger Leiter des Nordwolle-Museums. „Moderne Gemälde oder zeitgemäße, an das Bauhaus angelehnte Einrichtungsgegenstände gab es darin nicht“, so Precht.

Zwangsversteigerung mit enttäuschendem Ergebnis

Die Erlöse der Versteigerung, die laut zeitgenössischen Presseberichten einem „jahrmarktähnlichen Treiben“ glich, blieben weit unter dem Anschaffungswert. Großer Erfolg war dagegen einer Fortsetzung des Spektakels am 19. Dezember 1931 beschieden, als 11000 Wein- und Sektflaschen aus dem Weinkeller des Guts Hohehorst unter den Hammer kamen.

1937 kaufte die SS-Organisation Lebensborn das Anwesen und richtete ein Lebensborn-Heim ein. 1958 wurde die Stadt Bremen Eigentümerin. Von 1981 bis 2012 diente das unter Denkmalschutz stehende Haus als Therapiezentrum für Drogenabhängige. Im August dieses Jahres wurde es an einen Projektentwickler verkauft.