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Bildung, Pädagogik, soziale Arbeit Delmenhorster Fachtag Integration bringt Experten zusammen

Von Marco Julius | 24.10.2017, 19:32 Uhr

Wohin entwickelt sich eine Gesellschaft, in der Menschen aus unterschiedlichen Kulturen zusammenleben? Der Fachtag zeigte Herausforderungen und Lösungsmöglichkeiten auf.

Problemlagen nicht unterschlagen, denn so ließen sie sich nicht lösen. Arnold Eckhart, Integrationsbeauftragter der Stadt Delmenhorst, gab früh eine der Richtungen vor, in der am Fachtag Integration diskutiert werden sollte, Er machte zudem klar, dass Delmenhorst, einst als Industriestadt groß geworden, immer von Zuwanderung gelebt habe.

Bereits zum fünften Mal haben die Koordinierungsstelle Migration und Teilhabe, das Diakonische Werk Delmenhorst/Oldenburg-Land und die Volkshochschule zum Fachtag Integration geladen. Fachleute aus sozialen, pädagogischen, wirtschaftlichen und politischen Bereichen kommen dann stets zum Austausch zusammen. Weit über 100 waren es gestern im Hanse-Wissenschaftskolleg. Dass auch Experten nicht immer einer Meinung sein müssen, zeigte sich immer wieder, was aber durchaus fruchtbar für den Austausch war.

Der Titel des Fachtages war lang und bewusst mit Anführungs-, Ausrufe- und Fragezeichen versehen: Bildung, Pädagogik und soziale Arbeit in einer „neuen“ Gesellschaft! – Auf die Haltung kommt es an!?

Impulse aus der Praxis

Erste Impulse rund um das Thema kamen aus der Praxis. Die Moderatoren Adriana Theesen (VHS) und Lutz Gottwald (Koordinierungsstelle Migration und Teilhabe) kamen auf dem Podium mit Experten zusammen, die aus ihrem Alltag berichteten. Etwa mit Julia Fokken, Leiterin der Grundschule Am Grünen Kamp, einer Schule mit Kindern, die zu 80 Prozent den viel zitierten Migrationshintergrund haben. „Wir stehen vor großen Herausforderungen, vor allem was den Spracherwerb angeht“, sagte sie. Was Schulen bräuchten, damit Integration gelingen kann? Die Antwort kommt prompt und eindeutig: „Mehr Zeit und mehr Personal, damit jedes Kind die Förderung bekommt, die es braucht.“

Menschen stärken und unterstützen

Oliver Hoyer, Sozialarbeiter im Delmenhorster Projekt „Jugend stärken im Quartier“, sprach von Knochenarbeit, wenn es darum ginge, Jugendliche wieder aufzubauen, die nach 30 Bewerbungen 30 Absagen kassieren und sich als Verlierer der Gesellschaft fühlen. Er sagte aber auch: „Ich glaube an die Jugend, meine Tür steht immer offen.“

Susann Abou-Suede, Erzieherin in Huchting, berichtete von Erfolgen bei Kindern. Auch an die erwachsene Frauen komme man mit Kursen heran. Zugewanderte Männer allerdings seien schwer zu erreichen. Sie wünscht sich, dass es mehr Fortbildungen für das Kollegium gibt, um sich neuen Herausforderungen der Migrationsbewegungen stellen zu können.

Franz-Josef Franke vom Diakonischen Werk sah die Frage im Fokus, wie „wir den zugewanderten Menschen helfen können, die sich den Herausforderungen stellen wollen“. Und zwar auch dann, wenn die Menschen scheitern könnten.