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Biologisches Gärtnern Gartenserie: Mit Insektenhotels Nützlinge fördern

Von Thomas Deeken | 21.04.2015, 18:31 Uhr

Im biologischen Garten geht es darum, naturnahe Verhältnisse zu schaffen. Christian Klewin vom Kleingärtnerverein Delmenhorst gibt ein paar Tipps.

Weg vom chemisch hergestellten Dünger, hin zu Kompost, Mulch, Extrakten und Gründüngung – das ist die Devise von Christian Klewin, Vorsitzender des Kleingärtnervereins (KGV) Delmenhorst. Der 44-Jährige, Sohn einer Gärtnerstochter und Enkel eines Gärtners, besitzt seit vielen Jahren auf seinem Privatgrundstück an der Jägerstraße einen rund 300 Quadratmeter großen Garten. Weil der aber für sein Hobby zu klein geworden war, kaufte er sich vor einem Jahr eine etwa 500 Quadratmeter große Parzelle auf der KGV-Anlage an der Graudenzer Straße in Düsternort hinzu. Dort steht für ihn das biologische Gärtnern im Mittelpunkt.

So nah wie möglich an der Natur

Im biologischen Garten geht es darum, möglichst naturnahe Verhältnisse zu schaffen. Das heißt unter anderem, den Boden ganzheitlich und nachhaltig zu verbessern und für ein gutes und gesundes Zusammenspiel zwischen Kleinstlebewesen im Boden und den Pflanzen zu sorgen. „Wichtig ist, dass die Pflanze nicht verhätschelt wird und einen optimalen Mix aus Nährstoffen erhält“, sagt der Gartenexperte. Und das ist durch biologisches Gärtnern möglich – Pflanzen bekommen eine bessere Standkraft, halten insgesamt besser durch, sind abgehärtet und können sich erfolgreicher gegen Schädlinge wehren, so der Delmenhorster, der als Bausachverständiger in Bremen tätig ist und als Ausgleich zum Beruf so oft wie möglich in seinen Gärten verweilt.

Paradies für Vögel und Ohrenkneifer

Um Nützlinge zu fördern hat Klewin in Düsternort unter anderem eine Wildobst-Reihe mit Schlehen und Berberitzen angelegt. Außerdem gibt es eine Totholzhecke, die Vögeln Schutz bieten soll, Nistkästen, Insektenhotels und umgedrehte, mit Stroh gefüllte Tontöpfe für Ohrenkneifer, die die Blattläuse vertilgen sollen. „Ganz verdrängen lassen sich die Schädlinge zwar nicht, aber es darf keine Plage werden“, sagt der Gartenfreund. Darüber hinaus hat der 44-Jährige einige Stellen wild wachsen lassen und weitere Blumen und Sträucher angepflanzt wie beispielsweise Phacelia, auch Bienenfreund genannt.

Allerlei Naturdünger gegen Ungeziefer

In den wilden Ecken, „dort, wo man nicht so draufguckt“, wie Klewin sagt, besteht die Möglichkeit, Unkräuter – inzwischen Beikräuter genannt – wachsen zu lassen, um aus ihnen einen Extrakt anzufertigen, der als Dünger und gegen Ungeziefer und Pilze wertvoll ist. Der Delmenhorster nimmt für diesen Extrakt gerne Brennnesseln, Ackerschachtelhalm, Beinwell und Löwenzahn. Gut ist auch das Anlegen von Rainfarn – zum Beispiel gegen Kartoffelkäfer, Kohlweißling, Möhrenfliege und Apfelwickler.

Pflanzen wachsen miteinander füreinander

Grundsätzlich sollten beim biologischen Gärtnern Mischkulturen mit Pflanzen, die sich gegenseitig fördern, bei der Wuchsform helfen (Beispiel Möhre und Zwiebel) und gegenseitig Schädlinge abwehren, angebaut werden. Klewins Tipp für einen nach biologischen Grundsätzen angelegten Nutzgarten: Fläche in vier Abschnitte teilen und in einem Beet Starkzehrer wie Kartoffel, Kürbis und Tomate, im anderen Mittelzehrer wie Möhren und Zwiebeln und im dritten Schwachzehrer wie Salate, Kräuter und Erbsen pflanzen. Das vierte Feld ist für Gründüngung gedacht (Phacelia, Raps). Jedes Jahr werden die Felder gewechselt, damit der Boden nährstoffreich bleibt.

Weitere Tipps zum biologischen Gärtnern gibt es im Internet und in Fachbüchern. Klewin schwört beispielsweise auf „Brennnesseljauche & Co.“ – mit Hinweisen, wie man den Extrakt herstellt und was man machen kann, damit die Jauche nicht so erbärmlich stinkt.