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Bitte um Schmerzspritze abgelehnt Kritik am ärztlichen Notdienst in Delmenhorst

Von Britta Buntemeyer | 30.07.2015, 20:21 Uhr

Wenn Angehörige leiden, leidet auch die Familie. Verständlich, wenn sofort Hilfe gewünscht ist. Eine Delmenhorsterin hat nun negative Erfahrungen mit dem ärztlichen Notdienst gemacht.

Eine ärztliche Versorgung rund um die Uhr – der kassenärztliche Notdienst gewährleistet dies mit der zentralen Notdienstpraxis am St. Josef-Stift außerhalb der regulären Sprechzeiten der Arztpraxen sowie mit einer Rufbereitschaft von 22 bis 7 Uhr morgens.

Schmerzspritze erbeten

Unter der Rufnummer 116117 wollte kürzlich eine Delmenhorsterin an einem Samstag um 22 Uhr den Notdienst rufen. Ihr Vater lag im Sterben, hatte starke Schmerzen und sollte schnell Hilfe bekommen. „Wir wollten, dass er eine Schmerzspritze bekommt, bis seine Morphiumtabletten wirken“, sagt sie. Doch die diensthabende Ärztin wollte ihrer Auskunft nach nicht zu einem Hausbesuch herausfahren. Stattdessen solle die Angehörige den Sozialdienst rufen oder die 112 wählen. Für die Frau gänzlich unverständlich. „Ich wollte nur, dass mein Vater eine Schmerzspritze bekommt. Wir hatten auch alles dafür zu Hause, wussten aber nicht, wie die Spritze angesetzt wird“, berichtet die Delmenhorsterin.

Anderer Arzt kommt

Unter der selben Nummer habe sie dann eine Stunde später einen weiteren Arzt erreicht, der schließlich kam und die Situation habe verstehen können. „Mein Vater hat wirklich gelitten“, klagt die Frau. Die Ärztin war bislang für unsere Zeitung trotz mehrfacher Nachfrage nicht zu erreichen.

Arzt entscheidet selbst

Laut Kassenärztlicher Vereinigung (KV) entscheidet der diensthabende Arzt immer selbst, in welchen Fällen er zu den Patienten fährt. Die Notdienstbezirke Delmenhorst, Ganderkesee und Lemwerder wurden 2009 von der KV zusammengelegt und in der zentralen Notdienstpraxis am St. Josef-Stift gebündelt. Der Notdienst wird wechselweise von Ärzten aus Delmenhorst, Ganderkesee und Lemwerder übernommen.

Beurteilung erfolgt am Telefon

„Die Entscheidung des Arztes muss nicht immer mit der Meinung des Patienten übereinstimmen“, sagt Helmut Scherbeitz, Geschäftsführer der KV-Bezirksstelle Oldenburg, zu der auch Delmenhorst gehört. Die ärztliche Beurteilung erfolge am Telefon, anders sei dies nicht möglich. Der Dienst in der Praxis findet zu festen Zeiten bis 22 Uhr statt, danach werden die Anrufe auf das Handy des Arztes, der Rufbereitschaft hat, weitergeleitet.

Ärztlicher Notdienst ist kein Rettungsdienst

„Sicherlich“, sagt Scherbeitz, „ist das Setzen einer Spritze Aufgabe eines Arztes.“ Bei palliativerkrankten Patienten handele es sich um Sonderfälle. Vielleicht, sagt er, habe die Ärztin die Situation so beurteilt, dass eine Spritze bis zur Wirkung der Morphiumtabletten nicht nötig sei. Fest steht: Der ärztliche Notdienst ist kein Rettungsdienst. Und, so Scherbeitz: „Der Arzt muss beurteilen, ob ein bestimmtes Schmerzmittel reicht oder ob er selbst kommen muss.“