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Bitteres Ende einer Ehe Amtsgericht Delmenhorst verhandelt Gewalt in der Ehe

Von Marco Julius | 10.12.2015, 19:24 Uhr

Körperverletzung, Nötigung, versuchte Vergewaltigung seiner Ehefrau: Ein 32-jähriger Delmenhorster musste sich vor Gericht verantworten.

Szenen einer zerrütteten Ehe haben jetzt im Zentrum einer Verhandlung am Amtsgericht Delmenhorst gestanden, an deren Ende ein 32-jähriger Delmenhorster vom Vorwurf der versuchten Vergewaltigung freigesprochen wurde. Verurteilt wurde der Mann aber wegen Körperverletzung in zwei Fällen, in einem Fall verbunden mit einer Nötigung, gegen seine Noch-Ehefrau. Der 32-Jährige hat dafür eine dreimonatige Haftstrafe erhalten, die zur Bewährung ausgesetzt ist. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Zudem muss er in Raten 1000 Euro Schmerzensgeld zahlen, das ist in einem Vergleich festgehalten worden.

Aufgewachtes Kind entschärft Situation

Das Gericht hatte die Geschehnisse der Nacht vom 23. auf den 24. Oktober 2014 aufzuarbeiten, in der das Ehepaar aneinandergeraten war. Die Noch-Ehefrau, 31, hatte den heute 32-Jährigen am Tag nach der Nacht angezeigt und unter anderem ausgesagt, er habe versucht, sie gegen ihren Willen zum Beischlaf zu drängen. Zudem habe er sie beleidigt, geschlagen und unter anderem so auf ihr gesessen, dass er mit den Knien ihre Oberarme fixierte. Ihr Mann habe von ihr wissen wollen, mit wem sie schlafe. „Wenn Du es einem anderen gibst, dann habe ich auch das Recht, es mir zu nehmen“, dieser Satz sei gefallen. Ihr Mann habe erst von ihr abgelassen, als eines der beiden gemeinsamen Kinder, die im Haus schliefen, erwacht sei.

Katastrophale finanzielle Situation

Der 32-Jährige machte hingegen andere Angaben. Zwar gab er zu, handgreiflich geworden zu sein. Er sei aufgebracht gewesen, weil er seine zerrüttete Ehe retten und von seiner Frau Vorschläge zur Lösung der katastrophalen finanziellen Situation hören wollte. Seine Frau habe ihn zunächst ignoriert und dann begonnen, ihn zu traktieren und zu würgen. Daraufhin habe er sich gewehrt und sei übers Ziel hinausgeschossen. Eine Vergewaltigung habe er aber in der Nacht, die er ein Desaster nannte, zu keinem Zeitpunkt versucht.

Richter folgen Verteidigung

Die Staatsanwaltschaft folgte der Aussage der Ehefrau und forderte eine einjährige Haftstrafe zur Bewährung. Die Verteidigung bestritt die Vergewaltigung und plädierte auf maximal drei Monate auf Bewährung. Das Gericht folgte der Verteidigung. Der schwere Hauptvorwurf der versuchten Vergewaltigung lasse sich nicht beweisen, hier gelte: Im Zweifel für den Angeklagten. Die Scheidung läuft, zum Wohle der Kinder hat das getrennt lebende Paar aktuell wieder Kontakt.