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Bluttat an der Cramerstraße Kind sagt im Delmenhorster Totschlag-Prozess aus

Von Alexander Schnackenburg, Alexander Schnackenburg | 15.09.2016, 17:29 Uhr

Entgegen dem Wunsch des Gerichts will der Sohn im Prozess um die Bluttat an der Cramerstraße aussagen. Ein Urteil könnte schon am Freitag fallen.

In dem Totschlags-Prozess gegen einen 48-jährigen Angeklagten aus Delmenhorst, der am 7. März seine einstige Lebensgefährtin in der Cramerstraße erstochen hat, bahnt sich ein dramatisches Finale an. Denn gegen den ursprünglichen Wunsch des Schwurgerichts am Landgericht Oldenburg wird am Freitag doch eines der beiden gemeinsamen Kinder von Angeklagtem und Opfer in den Zeugenstand treten: der 14-jährige Sohn.

Sohn hat Mord womöglich genau gesehen

Um diesen Schritt habe der Junge von sich aus nachdrücklich gebeten, erklärte am Donnerstag die Nebenklage-Vertretung. Auch unterstütze eine psychologische Beratungsstelle, die sich um den Jungen kümmere, das Vorgehen. Sein Vormund, eine Schwester der Getöteten, stimme ebenfalls zu. Der minderjährige Zeuge hat womöglich genau gesehen, wie sein geständiger Vater die Mutter in der Küche der gemeinsamen Wohnung umgebracht hat.

31 Messerstiche führten zum Tod

Und zwar mit mindestens 31 Stichen in Rumpf, Arme, Beine sowie das Gesicht seiner 46-jährigen einstigen Partnerin. Zu den Details der Stich- und Schnittwunden äußerte sich am Donnerstag ausführlich jener Rechtsmediziner aus Hannover, der die Leiche obduziert hatte. Er sprach von „Herz- und Kreislaufversagen aufgrund des hohen Blutverlusts“.Ferner sagte eine 22-jährige Delmenhorsterin aus, welche sich unmittelbar nach der Tat auf der Straße um die Kinder von Opfer und Täter gekümmert hatte: „in absolut vorbildlicher Weise“, wie der vorsitzende Richter Frederik Franz befand. Ebenfalls äußerte sich am Donnerstag der letzte Lebensgefährte der Getöteten aus. Der 39-Jährige habe mit seiner Freundin, mit welcher er sogar seit August 2015 verlobt gewesen sei, nach Portugal auswandern wollen – mit denselben Kindern, welche bis zuletzt bei dem Angeklagten lebten.

Urteil schon am Freitag möglich

Neben dem Sohn, welcher am Freitag ab neun Uhr und unter Ausschluss der Öffentlichkeit aussagen soll, wird eine psychiatrische Sachverständige ihr Gutachten über den Angeklagten vortragen. Frederik Franz hofft sogar, bereits am Freitag das Urteil in dem Prozess verkünden zu können.