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Boulevard-Stück im Kleinen Haus Komödie lässt Geld vom Delmenhorster Bühnenhimmel regnen

Von Jasmin Johannsen | 26.01.2019, 15:53 Uhr

Erst sind es nur 100, dann 1250 Euro, die auf dem Tisch im Wohnzimmer liegen. Und auf einmal kommen über 30.000 Euro aus dem Schrank geschossen. Wer hat sie dort deponiert? Darüber streiten sich Nora von Collande und Herbert Hermann wunderbar komödiantisch in dem Boulevard-Stück „Als ob es regnen würde“, das am Freitagabend im Kleinen Haus aufgeführt wurde.

Dank feurigen Dialogen und der Spielfreude des Ensembles konnten sich die rund 470 Zuschauerinnen und Zuschauer sehr gut amüsieren, selbst als die Komödie nach der Pause vollends ins Absurde kippte.

War es die Putzfrau Teresa (Marie Wolff), der zwielichtige neue Nachbar (Uwe Neumann) oder versuchen sich die Eheleute Bruno (Hermann) und Laurence (von Collande) gar gegenseitig hinters Licht zu führen? Der Geldsegen bringt jedenfalls mehr Anschuldigungen, als Freude mit sich. „Uns bedroht jemand“, ist sich Schuldirektorin Laurence sicher. „Man bedroht doch niemanden mit Geld“, antwortet Anästhesist Bruno. Also wird ob der merkwürdigen Geldfunde erstmal die Haushaltshilfe befragt. Schließlich hat die als einzige einen Wohnungsschlüssel. Das konfuse Verhör, das nun folgt, macht zwar wenig Sinn, verschafft Marie Wolff als Teresa aber einen sehr unterhaltsamen Auftritt. Schwer von Begriff plappert sie unentwegt und vor allem extrem schnell auf Spanisch. Das sorgt in den Publikumsreihen für gute Unterhaltung.

Kaviar aus der XL-Dose

Und da wohl auch die Putzfrau keine großzügigen Geschenke macht, gibt sich Bruno erst einmal sorglos und verprasst das ganze Geld an einem Nachmittag beim Shopping. Nur die besten Luxusmarken kommen ihm ins Haus. „Das sind wir doch gar nicht“, jammert Laurence, als sie die Ausbeute sieht, probiert aber wenig später doch ein sündhaft teures Kleid an und löffelt aus der XL-Dose Kaviar. Dass wohl ziemlich alle Menschen unter den richtigen Umständen so sind, wird dem Publikum schnell klar. „Sowas müsste mir auch einmal passieren“, war in der Pause von vielen Seiten zu hören.

Hätte das Stück sein Niveau auch in der zweiten Hälfte halten können, so wäre es ein perfekter Theaterabend gewesen. Doch spätestens mit dem Auftritt des neuen Nachbarn – dem Wertsachen gestohlen worden sind und der erst mit Pistole, dann mit Axt bewaffnet die Wohnung von Bruno und Laurence stürmt – kippt die Handlung vollends in den Klamauk. Später regnet es sogar Banknoten vom Bühnenhimmel. Wo die allerdings herkommen, ist am Ende genauso rätselhaft, wie am Anfang.

Die Chemie stimmt

Von Collande und Hermann (auch für Kostüme und Regie zuständig) haben die Komödie von Sébastian Thiéry in Frankreich entdeckt und erstmals 2016 in Deutschland aufgeführt. Die Inszenierung lässt dem tollen Ensemble jede Menge Luft für dramatische Gesten und wunderbar kauzige Ticks. Die Chemie zwischen von Collande und Hermann stimmt sowieso – schließlich sind sie nicht nur auf der Bühne, sondern auch im wahren Leben verheiratet.

Die Erkenntnis des Abends: Wie so oft bei Boulevard-Komödien gilt auch bei „Als ob es regnen würde“ das Prinzip: Wer nicht zu viel nachdenkt, der kann sich gut amüsieren.