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Briefe und mehr von 1933 bis 1980 Zufallsfund in Delmenhorster Wohnhaus

Von Thomas Breuer | 07.07.2015, 00:26 Uhr

Warum bleiben persönliche Briefe und Dokumente zurück, wenn Menschen ein Haus verlassen? Diese Frage stellen sich in Düsternort gerade Kathrin Ott und Ricardo Franz.

Manchester war gestern, die Zukunft liegt in Düsternort. Jedenfalls für Kathrin Ott (26) und ihren Freund Ricardo Franz (37). Nach einer gemeinsamen Zeit im Nordwesten von England möchte das Paar jetzt dort heimisch werden. Die allererste Wahl, sagt die Delmenhorsterin, sei der Stadtteil nicht gewesen, doch dann hätten sich beide verliebt – in ein Siedlungshaus von 1927 an der Düsternortstraße, ein Haus mit auffälligem Giebel und einer charakteristischen hölzernen Haustür.

Von 70 auf 130 Quadratmeter

Das Haus mit Geschichte, das beide im Dezember vergangenen Jahres gekauft haben, bot seinerzeit nur 70 Quadratmeter Wohnfläche, dazu einem vollgestopften Boden und einen verwilderten Garten. Eine Zeit wohnte das Paar zunächst darin, bevor im März das große Reißen und Räumen begann. Unter Berücksichtigung dessen, was die behördliche Gestaltungsrichtlinie hergibt, nimmt seitdem der von einem Architekten konzipierte rückwärtige Anbau Gestalt an. So wird die Wohnfläche auf insgesamt 130 Quadratmeter wachsen. „In vier bis sechs Wochen soll es fertig sein“, sagt Kathrin Ott.

Entrümpelung beim Kauf vereinbart

Der angrenzende Garten ist zwar noch kein Schmuckstück, aber immerhin wieder problemlos zugänglich – und das neue Gartenhaus steht auch schon. Im Haus selbst war der nicht ganz einfach zu erreichende Dachboden eine Herausforderung. Dass sich die neuen Eigentümer um die Entrümpelung kümmern, war mit dem Vorbesitzer so vereinbart worden. Es selbst, berichtet das Paar, wohnte nur ein Jahr dort, was sich anfand, ging auf frühere Besitzer zurück.

Feldpost und Nachrichten aus Amerika

Franz, der bei Kellog’s Logistiklösungen entwickelt, und Ott, selbstständige Ergotherapeutin in Bremen-Nord, stießen beim Ausräumen auf viel wertloses Zeug, aber auch auf einen bemerkenswerten Fund, der einen ganzen Karton füllt: Briefe, Telegramme und Dokumente aus den Jahren 1933 bis 1980, von der Feldpost bis zu Nachrichten aus Amerika. Viele davon sind an einen Walter Schwengsbier adressiert. Einzelne stammen von einem Fred Schwengsbier, der zur See gefahren ist.

Nie ans Wegwerfen gedacht

„Spannend“ findet das Paar, was es mit den alten Geschichten auf sich hat und warum auch Hefte zu Betriebsfesten der Firma Leffers von 1957 und 1958 so lange unter dem Dach gelegen haben. Den Fund einfach wegzuwerfen, das ging den beiden Hausbesitzern nicht eine Sekunde durch den Kopf. Sie möchten einfach mehr dazu wissen, ohne eigene Ansprüche zu erheben.

„Als Finderlohn hätten wir lediglich gerne einen der Briefe, um ihn bei uns aufzuhängen“, sagt Kathrin Ott. Und freut sich darauf, dass es bald in neuem Glanz erstrahlt, ihr Haus mit Geschichte.