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Bühnenmatrose Nagelritz begeistert Ahoj-Brause für alle in der Delmenhorster Villa

Von Jasmin Johannsen | 23.03.2017, 13:22 Uhr

Tiefsinnige Seemannslieder und Kalauer wechselten sich in der Villa ab. Nagelritz stand auf der Bühne und versetzte das Publikum mit Brausepulver und maritimem Humor in Hochstimmung.

„In der See seh‘ ich ein Zeh – und der Rest ist im Hai, bye bye“ – Mit skurrilen Gedichten, bizarren Malereien, abenteuerlichen Anekdoten und nachdenklichen Seemannsliedern gastierte das Multitalent Dirk Langer alias Nagelritz am Mittwochabend im Familienzentrum Villa. Der Matrose auf Landgang stellte in der Kapriolen-Reihe des städtischen Kulturbüros sein Programm „Modernes Seemannsgarn“ vor – und die rund 100 Zuschauer zeigten sich von der maritimen Mischung begeistert.

Abstecher in die Kalauer-See

In Matrosenkluft gekleidet, natürlich tätowiert und mit Schifferklavier ausgestattet, so erfüllt Nagelritz auf der Bühne alle Seemann-Klischees. Erzählt wird von der weiten Welt, der Seefahrt und von den vielen Frauen in jedem Hafen. Dabei konnte es passieren, dass Langer in die Kalauerschiene abrutschte, was der Stimmung des Publikums allerdings keinen Abbruch tat.

Einen scharfen Kontrast zu den platten Sprüchen boten dagegen die Texte von Joachim Ringelnatz, die Langer eigens für sein Programm vertont hatte. Die nachdenklichen und melancholischen Verse des Lyrikers („Hafenkneipe“, „Nächtlicher Heimweg“) untermalte der Chansonier mit Gitarren- und Akkordeonklängen und zeigte dabei, was für ein talentierter Musiker er ist. Diese Zwischenspiele quittierte das Publikum dann auch immer wieder mit anhaltendem Beifall.

Reichlich Seemannsgarn

Während des Programms immer mit von der Partie, wenngleich unsichtbar für das Publikum, waren Hinnerk und Raoul – der eine väterlicher Freund, der andere spanischer Saufkumpan. Mit ihnen verbindet Nagelritz die absurdesten Bordell- und Kneipenanekdoten. Dann schweift Langer aus und fängt an, Seemannsgarn zu spinnen. So hätte er mit Hinnerk einmal auf einem Fischkutter angeheuert. Gegen den Geruch hätten die beiden sich Duftbäumchen in die Taschen gesteckt. „Das hat gerochen wie Fisch im Walde“, erklärt Nagelritz johlend, und das Publikum lacht mit.

Die gut gelaunten Zuschauer ließen sich selbst von der ständigen Einbindung in die Vorstellung nicht abschrecken. Das könnte aber auch an der „Bestechungs-Taktik“ des Comedians gelegen haben. Die Antworten aus den Publikumsreihen wurden immer wieder mit ausreichend „Ahoj-Brause“ honoriert. „Ich hab‘ die Taschen voll davon“, erklärte der Matrose lapidar. Die Zuschauer nahmen nicht nur die prickelnden Süßigkeiten dankend an, sondern auch den trotz einiger Abstriche unterhaltsamen Abend und belohnten Nagelritz mit viel Applaus.