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Bürgerinitiative gegründet Scharfe Kritik an Sanierungsfirma für Delmenhorster Klinik

Von Michael Korn | 03.10.2017, 17:00 Uhr

Die Sanierungsfirma verhalte sich wie eine „Heuschrecke“, die das Josef-Hospital und den geplanten Neubau gefährde. Das erklärte die Initiative „Delmenhorst braucht ein Krankenhaus.

Im Ringen um den Erhalt des pleitebedrohten Delmenhorster Josef-Hospitals und seiner 1000 Arbeitsplätze hat sich eine stetig wachsende Bürgerinitiative gegründet, die sich jetzt erstmals mit Forderungen und harscher Kritik an die JHD-Gesellschafter Stadt und Josef-Stiftung wendet. Für die Gruppe „Delmenhorst braucht ein Krankenhaus“, die mittlerweile mehr als 1400 Unterstützer zählt, wirft Sprecherin Roswitha Ahrens-Groth der eingesetzten Sanierungsfirma Economedic AG einen „heuschreckenähnlichen Kurs“ vor, der das Krankenhaus ramponiere, Mitarbeiter vergraule und den geplanten Neubau gefährde.

„Inhumanes Vorgehen“

Ahrens-Groth: „Wir fordern die Gesellschafter auf, sich umgehend von der beauftragten Firma Economedic AG zu trennen, insbesondere da inzwischen ein Geschäftsführer bestellt ist. Der heuschreckenähnliche Kurs der angeblichen Sanierung schadet dem Ansehen des Krankenhauses und so wird es nicht aufgebaut, sondern ramponiert, langfristig wird die Nachfrage einbrechen.“ Für Qualität und Leistung notwendige Mitarbeiter würden nicht wertgeschätzt, vergrault und wenn sie kündigen teils sofort freigestellt. Das sei „inhuman, auch wenn man mit solchen bisher den Gesellschaftern – Kirche und Stadt – fremden Methoden Sozialplankosten sparen kann“. Weiter heißt es in der Mitteilung: Die ärztliche und pflegerische Arbeit werde im JHD trotz unwirtschaftlicher baulicher Gegebenheiten „plötzlich und ohne fachliche Vorbereitung unvertretbar und rabiat verdichtet“. Die Gesellschaft lasse eine neues Medizinkonzept erarbeiten, obwohl das bisherige Medizinkonzept Basis des Förderbescheids über 70 Millionen Euro für den geplanten Neubau ist. Ahrens-Groth: „Der Förderbescheid wird durch das Vorgehen akut gefährdet. Die Gesellschaft verursacht mit ihrem aufwendigen Auftritt unvertretbar hohe Kosten für das JHD und gefährdet zusätzlich die Liquidität.“

Harter Widerstand angekündigt

Die Initiative „Delmenhorst braucht ein Krankenhaus“ kündigt des weiteren harten Widerstand an: „Diese Gruppe soll für den Fall, dass unser Krankenhaus tatsächlich gefährdet ist, mit Aktionen aktiv werden und massiven Druck auf Eigentümer und Politik ausüben können“ heißt es bei Facebook. Das eingeleitete Schutzschirmverfahren könne genutzt werden, um das „Delmenhorster Krankenhaus der Zukunft“ wirtschaftlich auf gesündere Beine zu stellen, es könne aber auch zu weiteren Liquiditätsengpässen kommen und letztlich zur Insolvenz führen, befürchtet die Initiative. Ahrens-Groth: „Die Gefahr, dass die Stadt Delmenhorst ihr Krankenhaus verlieren könnte, ist nicht zu leugnen.“ Scharfe Kritik gibt es auch an der katholischen Kirche, die als 90-Prozent-Eigentümer nicht bereit sei, das Krankenhaus aus eigenen Mitteln zu stützen. Gerüchten zufolge solle das JHD für den Franziskusorden der katholischen Kirche vorbereitet werden, der nur bei 100-Prozent-Anteilen zur Übernahme bereit sein solle. Das hieße, dass die Stadt ihren 10-Prozent-Anteile verlöre. Wenn sie diese nicht freiwillig hergebe, „geht dies nur über eine ganz normale Insolvenz“.

Josef-Stiftung stumm

Auf dk-Nachfrage lehnte die Vorsitzende der Josef-Stiftung, Margarete Thielhelm, eine Stellungnahme zur Haltung des Mehrheitsgesellschafters in der Kontroverse ab. Das Bischöflich Münstersche Offizialat verwies durch Pressesprecher Dr. Ludger Heuer auf Sanierungsgeschäftsführer Ralf Delker, der für die Kirche alleiniger Auskunftsberechtigter sei: „Das ist so abgestimmt.“ Laut Delker droht dem JHD durch mangelnde Auslastung bis Jahresende ein Defizit von zehn Millionen Euro. Ein Stellenabbau und ein neues medizinisches Konzept seien zur Rettung unabwendbar. Von kirchlicher Seite äußerte sich auf Anfrage vor Ort lediglich Peter Schmitz, Chef des Caritas-Verbandes und Mitglied im Kuratorium der Stiftung, zu den Vorwürfen aus der Ratspolitik, die Kirche positioniere sich nicht: Die katholische Kirche sei der falsche Adressat, weil sie gar nicht Gesellschafter des JHD sei. Dies sei die Josef-Stiftung als eine von Bürgern getragene Organisation. Die Kirche habe darauf keinen 100-prozentigen Einfluss. Gleichwohl unterstütze sie jegliches Bemühen um den Erhalt des Hauses und der Arbeitsplätze, etwa durch ehrenamtliche Rechtsberatung. Schmitz: „Wir wollen das gemeinsame Krankenhaus. Ein Veränderungsprozess muss jetzt kommen und dafür wird gegenwärtig ein Konzept entwickelt, dass man nicht schon vorher kritisieren kann, wenn es noch nicht fertig ist. Wir wissen noch gar nicht, in welchem Umfang Stellen abgebaut werden sollen und ob es überhaupt zu Härten kommt. Der jetzt eingeleitete Prozess ist ein normales, verantwortungsvolles Handeln.“ Schmitz wies zudem auf das Schutzschirmverfahren hin, dass vom Amtsgericht nur genehmigt worden sei, weil das JHD eine tragfähige Sanierungsaussicht habe. Zu der scharfen Kritik einiger Ratsmitglieder am Fehlen der Kirche bei der letzten Ratssitzung sagte Schmitz, nach seiner Kenntnis habe die Stadt weder einen Vertreter der Kirche noch von der Stiftung dazu eingeladen.