Ein Angebot der NOZ
Ein Artikel der Redaktion

Bundesprogramm „Demokratie leben!“ Für buntes Miteinander in Delmenhorst

Von Marco Julius | 28.07.2017, 18:44 Uhr

29 Projekte in Delmenhorst können sich in diesem Jahr über Fördermittel aus dem Programm „Demokratie leben!“ freuen.

Für die Erkenntnis, dass Demokratie nicht naturgegeben ist, sondern durch Äußerungen und Handlungen immer wieder Gefahren ausgesetzt ist, wird in diesen Zeiten stets aufs Neue deutlich. Dafür muss man Europa gar nicht mehr verlassen. Da kommt ein Bundesprojekt mit dem Titel „Demokratie leben! Aktiv gegen Rechtsextremismus, Gewalt und Menschenfeindlichkeit“ gerade recht. Als 2014 der Aufruf an die Kommunen ging, sich an dem Projekt zu beteiligen, das zunächst von 2015 bis 2019 laufen soll, hat man in Delmenhorst nicht lang gezögert. „Wenn wir etwas bewegen wollen, dann müssen wir möglichst viele Menschen ins Boot holen“, das sei in Delmenhorst die erste Erkenntnis gewesen, sagt Ruth Steffens, Vorsitzende des Kommunalpräventiven Rates (KPR) im Rückblick. Gesagt, getan. Unter ihrer Federführung gelang es, den Zuschlag zu bekommen.

„Glückliches Mitglied der Präventionsfamilie“

Mittlerweile steckt das Projekt mittendrin in der Arbeit. Und das mit viel Erfolg, wie Sebastian Rann von der Koordinierungs- und Fachstelle „Demokratie leben!“ als Halbzeitbilanz berichtet. Engagierte Delmenhorster Kinder und Jugendliche, Erwachsene sowie und Vertreter gesellschaftlich relevanter Gruppen, ortsansässiger Verbände, Vereine, Initiativen oder Organisationen können bei „Demokratie leben!“ Gelder für Projekte beantragen. „Wir sind ein glückliches Mitglied der Präventionsfamilie“, sagt Rann, denn Demokratieförderung und Radikalisierungsprävention seien vorrangige Ziele.

29 Jahre in diesem Jahr gefördert

Für dieses Jahr sind laut Rann Mittel für 29 Projekte bewilligt worden. Im ersten Jahr, 2015, waren es 16, im Jahr 2016 19. Auch die vorhandenen Mittel sind gestiegen. 2015 standen 73000 Euro zur Verfügung, 2016 waren es bereits 85000 Euro. Für das laufende Jahr stehen 105000 Euro bereit. Der Begleitausschuss, der über die Vergabe der Mittel bestimmt, hat annähernd 30 Mitglieder. „Wichtig ist uns allen, dass viele Projekte profitieren können“, sagt Rann. Die Höchstfördergrenze liege daher bei 5000 Euro. Nur ein Projekt im Jahr kann mit bis zu 10000 Euro gefördert werden. Es werden auch deutlich kleinere Zuschüsse gewährt.

„Wir sind jedes Mal wieder überrascht, wie vielfältig die Ideen sind, die an uns herangetragen werden“, sagt Steffens. Die eingereichten Wünsche werden auch mehr. 2017 werden erstmals nicht alle Anträge bewilligt werden können.

Ohne große Barrieren

Die Vielfalt der Projekte beeindruckt nicht nur Steffens und Rann, die sich gut verstehen und beide der Ansicht sind, dass gesellschaftliches und politisches Engagement mit Spaß verbunden sein darf. „Es gibt sicherlich ein Umdenken. Es muss nicht immer die ganz große Idee sein“, sagt Steffens. Bei einigen Vorschlägen frage man sich zu Beginn: „Was hat das mit Demokratie zu tun?“ Beim Laternenumzug durch den Wollepark etwa, der gern gefördert wurde. „Da geht es um das Miteinander verschiedenen Kulturen, um Begegnung, um den Abbau von Ressentiments. Auch das ist förderfähig“, sagt Steffens. Das „Mädchenschwimmen in der Grafttherme“ fällt in eine ähnliche Kategorie. Aber auch Projekte wie das von Lutz Gottwald (Koordinierungsstelle Migration und Teilhabe), der Bildungsangebote für Schulen unter dem Titel „Wie wollen wir zusammenleben?“ auf die Beine stellt, haben die Unterstützung von „Demokratie leben!“.

„Wir konnten mit dem Bundesprojekt schnell ernten, weil wir auf vom KPR fruchtbar gemachten Boden aussäen konnten“, sagt Rann. Er ist von dem Erfolg überzeugt. Und Freude macht ihm die Zusammenarbeit mit vielen engagierten Menschen obendrein.