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Bundestagswahl 2017 Viele Versprechen im Kampf gegen Kinderarmut

Von Ole Rosenbohm | 08.09.2017, 17:43 Uhr

Auf ihrer Tour durch den Wahlkreis 28 haben die Kandidaten am Donnerstag in Bookholzberg Station gemacht. Eingeladen hatte der für den Abend soziale Themen in den Fokus setzende Deutsche Gewerkschaftsbund: Kinderarmut, Leiharbeit, unsichere Renten.

Unter der These „Niemand will Armut“ konnten sich alle Vertreter der fünf eingeladenen Parteien im „Schwarzen Ross“ versammeln. Unterschiede boten die Konzepte. Die Linke etwa setzt auf 1050 Euro Grundeinkommen. Bildung sollte kostenlos sein – von Krippe bis Uni. „Ich höre immer, wir dürfen den nächsten Generationen keine Schulden hinterlassen – wir können ihnen aber auch nicht marode Straßen und Schulen vererben“, sagte Manuel Paschke zur Bezahlbarkeit seiner Wünsche.

Armut ist für Mittag (SPD) eine Frage der Herkunft

Beitragsfreie Kitas strebt auch die SPD an, erklärte Bundestagsabgeordnete Susanne Mittag, die zudem den Fokus verstärkt auf Bildung und schulgeldfreie Ausbildungen setzen will, etwa bei Medizinisch-Technischen Assistenten. „Wenn die Eltern nicht arm sind, sind die Kinder auch nicht arm“, sagte Mittag.

 (Weiterlesen: Bundestagskandidaten debattieren beim Seniorenbeirat) 

Schröder (Grüne) will Grundsicherung gegen Kinderarmut

Aber ein ganzes Fünftel leben in definierter Armut, sind zumindest von ihr bedroht, führte die Grüne Christina-Johanne Schröder aus – etwa in Delmenhorst vielfach bittere Realität. Diese Kinder seien häufiger krank, hätten weniger Chancen auf Abitur oder mittlere Reife. Das sei „sozial und ökonomisch eine Katastrophe“. Erstes Rezept der Grünen

dagegen: 350 Euro Kinder-Grundsicherung.

Verlauf (CDU) will Armut durch Arbeit bekämpfen

Dirk Verlauf von der CDU und Niels Christian Heins von der FDP hatten den schwersten Stand bei den eher linken Zuhörern. Verlauf versprach 25 Euro mehr Kindergeld. „Aber man muss das Problem an der Wurzel bekämpfen.“ Oberstes Ziel: Eltern in qualifizierte und damit gut bezahlte Beschäftigungen zu bringen.

Schwerer Stand für FDP-Mann Heins

Heins verlangte Realismus etwa in den Wahlversprechen zur Renten-Debatte: „Wenn die Konjunktur diese Gelder nicht erwirtschaftet, wird kein Staat der Welt das bezahlen.“ Applaus bekam er nach über zwei Stunden dafür nicht, auch nicht für sein an die Gastgeber gerichtetes Schlusswort zur von allen Teilnehmern kritisierten Leiharbeitspraxis: Lange hätten sich die Gewerkschaften für diese Klientel kaum engagiert, hätten sich „lieber um die gekümmert, die drin sind“, nicht um die draußen.