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Burchard Christoph von Münnich Rasanter Aufstieg im fernen Zarenreich

Von Dirk Hamm | 21.10.2017, 12:02 Uhr

Ein Adliger aus unserer Region hat sich im 18. Jahrhundert weit außerhalb der deutschen Lande einen Namen gemacht, ist bis in höchste Ämter aufgestiegen.

Burchard Christoph von Münnich aus Neuenhuntorf – heute ein Ortsteil von Berne – stand ab 1727 über Jahrzehnte im Dienste des russischen Zarenreiches. Sein Todestag jährt sich am 27. Oktober zum 250. Mal.

Heute erinnert in der evangelisch-lutherischen St.-Petri-Kirche in Sankt Petersburg ein Bronzerelief an den streckenweise einflussreichsten unter den Deutschen, die im 18. Jahrhundert in großer Zahl zur Modernisierung Russlands angeheuert wurden. Gestiftet hat es der Huder Arzt und Münnich-Biograf Dr. Ulrich Wilke („Von der Hunte an die Newa“) im Jahr 2006.

Jungen Adligen hielt es nicht in der Wesermarsch

Geboren wurde Burchard Christoph von Münnich am 19. Mai 1683 auf Gut Neuenhuntorf. Sein Vater, Anton Günther von Münnich, war seit 1681 Oberdeichgraf der Grafschaft Oldenburg. Nach einer gründlichen Ausbildung in Wasserbau und Ingenieurkunst wurde dem jungen Adligen das Leben in der Wesermarsch zu eng.

Im Jahr 1702 beginnt er als Hauptmann in hessischen Diensten eine militärische Karriere. Der Spanische Erbfolgekrieg (1701-1714) sieht ihn an vielen Schauplätzen. 1712 erleidet von Münnich in Nordfrankreich eine schwere Verwundung, die Todesnähe bewirkt eine Hinwendung zur Religion.

In den russischen Grafenstand erhoben

1717 tritt er als Generalmajor in die Dienste des polnisch-sächsischen Herrschers, König August des Starken. Das Amt des Generalinspekteurs der polnischen Truppen wird für den umtriebigen Offizier zum Sprungbrett für höhere Weihen: Der russische Zar Peter der Große ernennt den Deutschen zum Generalleutnant und Generalingenieur.

Seit 1723 leitet von Münnich den Bau des Ladogakanals, einer für die neue Hauptstadt Sankt. Petersburg wichtigen Lebensader. Von Peter II. wird er 1728 in den russischen Grafenstand erhoben. Atemberaubend ist sein weiterer Aufstieg: 1731 Kabinetts-Minister, 1732 Präsident des Kriegskollegiums und Generalfeldmarschall, 1736 Generalissimus aller russischen Armeen. Nach preußischem Vorbild reorganisiert er das Heer. Als Feldherr erringt er große Siege sowohl im Polnischen Erbfolgekrieg als auch gegen die Türken.

Nur kurz auf dem Gipfel der Macht

Nach dem Tod der Zarin Anna stürzt von Münnich 1740 seinen Gegenspieler Ernst Johann von Biron, den Vormund des noch nicht einjährigen Thronfolgers Iwan VI., und lässt sich zum Premierminister ernennen. Auf dem Gipfel der Macht angelangt, folgt bald jedoch der jähe Sturz: Er wird schon im Mai 1741 entlassen und, nachdem Zarin Elisabeth den Thron bestiegen hat, zum Tode verurteilt. Auf dem Schafott begnadigt, wird er nach Sibirien verbannt.

Letzte Ruhe im heutigen Estland

Nach 20 harten Jahren folgt 1762 die Begnadigung durch Peter III. Katharina die Große, die ab 1762 regiert, ernennt ihn zum Generaldirektor der baltischen Häfen. Zu einer erträumten Rückkehr in die oldenburgische Heimat kommt es nicht mehr, am 27. Oktober 1767 stirbt von Münnich, der auch den deutschen Grafentitel erworben hat. Auf seinem Gut bei Dorpat (Estland) findet er die letzte Ruhe.