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Bushido Judo führt in Delmenhorst Nationalitäten zusammen

Von Dirk Hamm | 16.03.2016, 16:31 Uhr

Eine Gruppe von Kindern und Jugendlichen unterschiedlichster Herkunft trifft sich regelmäßig zum Judotraining des Vereins Bushido. Trainer Dian Tanov ist von der integrativen Wirkung des Sports überzeugt.

„Sanfter Weg“, so lautet die Übersetzung des japanischen Worts Judo. Ralph Dziemba hat seine ganz eigene Definition für die fernöstliche Kampfsportart gefunden: „Judo ist ein Sport, der verbindet, eine Integrationssportart.“ Der langjährige Vorsitzende und jetzige Abteilungsleiter beim Judo-Club Bushido Delmenhorst sagt dies mit Blick auf die bunt zusammengewürfelte Übungsgruppe, die sich gerade auf den Matten in der Sporthalle des Max-Planck-Gymnasiums tummelt. Zwölf Jungen und Mädchen von sieben bis 16 Jahren, und dazu noch ein Erwachsener, der es seinem Sohn gleichtun möchte, folgen den Anweisungen des Trainers und üben die elementaren Bewegungsabläufe und Techniken des Judo. Weiterlesen: Neuer Box-Kurs beim TV Jahn bei Erwachsenen beliebt 

Interesse durch Sportprojekt an Oberschule Süd geweckt

Eine Reihe von Nationalitäten ist in der Gruppe vertreten: Deutsche mit und ohne ausländische Wurzeln, Zuwanderer aus Balkanstaaten, Flüchtlinge, die mit dem Fahrrad aus ihrer Unterkunft zum Training radeln. Der Übungsleiter selbst, Dian Tanov, ist vor fünf Jahren aus Bulgarien nach Deutschland gekommen. Immer montags und donnerstags um 17 Uhr trifft sich seit diesem Jahr der Judo-Nachwuchs in der Maxe-Turnhalle zu den anderthalbstündigen Einheiten. Bei vielen hat Tanov selbst das Interesse an dem Kampfsport geweckt, bei dem es auf das geschickte Ausnutzen der Kraft und der Bewegungen des Gegenübers ankommt. Der 35-jährige Träger des schwarzen Gürtels besetzt als Sportlehrer eine Vertretungsstelle an der Oberschule Süd. Dort hat er im vergangenen Jahr einige Schüler über eine Sportfreizeit zum Judo und zum Verein Bushido führen können. Weiterlesen: Freiwillige gründet Cricket-Team mit Flüchtlingen 

Bei Bedarf übernimmt die Stadt den Vereinsbeitrag

Das wäre für einige Eltern finanziell aus eigener Kraft gar nicht zu bewältigen gewesen, erklärt Ralph Dziemba: „Unsere Mitgliedsbeiträge sind zwar im Vergleich zu privaten Sportschulen moderat. Aber Judo ist ein recht kostspieliger Sport.“ Immerhin muss zusätzlich zum Aufnahme- und Vereinsbeitrag ein weißer Judoanzug angeschafft werden, und wer an Wettkämpfen teilnehmen möchte, muss seinen Judopass mit einer Jahressichtmarke aktuell halten. Das kostet laut Dziemba immerhin 30 Euro - eine Summe, die insbesondere für eine Flüchtlingsfamilie eine riesige Hürde darstellt. Deshalb hat der Verein im Dezember zu Sachspenden aufgerufen. Drei junge Judoka sind so mit einem Judodress ausgestattet worden. Und über einen „Antrag auf Leistungen für Bildung und Teilhabe“, der beim Jobcenter oder bei der Stadt eingereicht wird, konnte die Übernahme der Beiträge geregelt werden. Weiterlesen: Sprachlernklasse in Delmenhorst – Unterricht mit Familiencharakter 

Kopftuch kein Hindernis beim Training

Seit gut zwei Monaten macht auch Efzanur beim Judo mit. Dass die 14-Jährige, die ebenfalls an der Oberschule Süd die Schulbank drückt, auch in der Sporthalle ihr Kopftuch anbehält, stört in der Gruppe niemanden. „Das ist kein Problem, und es behindert nicht beim Training“, sagt Dziemba. Die Schülerin mit türkischen Wurzeln ist froh, dass ihr Vater sie zum Judo angemeldet hat, und auch bei ihren Freundinnen macht ihr sportliches Hobby Eindruck: „Sie sind stolz auf mich.“

Sport erleichtert die Integration

Judo und Integration, das ist für Dian Tanov schon seit Langem nicht voneinander zu trennen. In seiner bulgarischen Heimat führte der an der Nationalen Sportakademie in Sofia ausgebildete Diplomtrainer nicht nur Nachwuchs-Judoka bis zum U21-Bereich zu internationalen Erfolgen. Der 35-Jährige war auch an einem Integrationsprojekt beteiligt, bei dem der Judosport dabei unterstützend wirkte, ausgegrenzte Kinder aus Roma-Familien in die Schule einzubinden. In Delmenhorst hat er gezielt Flüchtlinge angesprochen, um sie zum Mittrainieren zu gewinnen. „Sport ist immer der beste und einfachste Weg, Menschen schnell zu integrieren“, ist Tanov überzeugt. Sich in eine heterogene Gruppe einzuordnen, Respekt vor dem Trainingspartner und Wettkampfgegner zu lernen, Disziplin und Regeln, ja sogar den Sinn für Hygiene, all das vermittele Judo. Schließlich gehört die Verbeugung zur Etikette dieses Sports, und da die Matte barfuß betreten wird, sind schmutzige Füße verpönt.