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CD-Verkauf für die Weiterreise Rockband wirbt in Delmenhorster Fußgängerzone für sich

Von Mareike Bader | 07.07.2017, 18:06 Uhr

Sympathisch und offen sind in den vergangenen Tagen Passanten in der Langen Straße von Mitgliedern der Band Illumenium angesprochen worden. Dort verkaufte die Band aus Estland ihre CD. Ihre Geschichten erscheinen etwas zwielichtig, die Band gibt es aber tatsächlich – und sie hat sogar Erfolg.

Nett und im ersten Moment unaufdringlich sprechen die Mitglieder von Illumenium die Menschen an. „Magst du Rockmusik“, fragt Viktor aus Estland, nach eigenen Angaben erst 17 Jahre alt. Seit drei Jahren spiele er in der Band. Dabei habe er erst vor fünf Jahren begonnen Gitarre zu spielen, erzählt er.

Die ältesten Mitglieder sind um die 28 Jahre alt, wie Robert. Schlagzeuger, wie er sagt. Im Gespräch vermischen sich die Geschichten. Da berichtet Viktor von sieben Bandmitgliedern, auf der Internetpräsenz sind jedoch nur sechs aufgelistet – die Namen von Viktor und Robert tauchen dabei nicht auf. Und mal besteht die Band seit vier Jahren, mal tourt sie auch schon seit fünf Jahren durch ganz Europa.

Zweifelhaftes Verkaufssystem

Nach Informationen von Telebasel und der Nassauischen Neuen Presse arbeitet Illumenium mit einem speziellen Verkaufssystem. Dafür werden Promoter eines Vermarktungsteams eingesetzt, die in den verschiedenen Städten für Umsatz sorgen sollen. Dieses Mal seien drei Mitglieder der Band und zwei aus der Crew in Delmenhorst gewesen, um Werbung für die Band zu machen, sagen Robert und Viktor. Nordeuropa mit Österreich, Deutschland, Belgien oder Norwegen funktioniere da am besten. Dort sei Rockmusik beliebter, weiß Viktor. In der Nacht zu Freitag ging es dann angeblich zum nächsten Konzert nach Oslo.

Erfolg scheint Illumenium, die aus der Band Defrage hervorging, zu haben. Angeblich wurden über 1200 Konzerte in den vergangenen dreieinhalb Jahren gespielt. Hinzu kommen Auftritte auf einer kleinen Nebenbühne beim Wacken-Open-Air und beim Novarock-Festival. Auftritte vor großem Publikum seien das große Ziel, auch wenn sie damit zufrieden seien, eine kleine Band zu sein, so Viktor.

Besuch bei der Familie in Tallinn

Viktor und Robert erzählen, dass ihnen Geld nicht wichtig sei und sie in den Fußgängerzonen in Europa ihre selbstproduzierten CDs verkaufen, um ihre Weiterreise und Essen zu finanzieren. Ihre Musik sei schwer zu beschreiben, sagt Robert, da Illumenium sehr viele Metal-Genres kombiniere. Vom „Old school“-Sound der frühen 80er Jahre bis zu aktuellen Trends werde alles gemischt. Auch Beatboxen komme in einigen Songs vor, wie Viktor betont.

Robert berichtet, dass er ein Mal im Monat in die estnische Hauptstadt Tallinn fahre, wo er mit seiner Frau und den drei Töchtern lebt. „Es ist manchmal schon hart“, bestätigt er die Tingelei. Genaues dazu will er aber nicht sagen. Viktor hat angeblich seine Geschwister seit Jahren nicht mehr gesehen, Eltern habe er keine mehr, so der 17-Jährige. „Die Band ist meine zweite Familie“, sagt das Küken der Band.

Ob wirklich in der Band oder nicht, die jungen Menschen, die für Illumenium werben, sind mit Leidenschaft dabei. Das beweisen auch viele Kommentare im Internet. Nach Delmenhorst will die estnische Band gerne wiederkommen, dann um hier auch mal ein Konzert zu spielen, heißt es.