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Charmant gereiftes Ensemble Komödie „Kerle im Herbst“ überzeugt in Delmenhorst

Von Marco Julius | 30.10.2016, 13:22 Uhr

Horst Janson, Christian Wolff und Hans-Jürgen Bäumler, gemeinsam satte 233 Jahre alt, haben am Samstag einen gelungenen Theaterabend hingelegt. Dafür gab es im vollen Haus viel Applaus.

Dass auch der Herbst noch schöne Tage hat, wie man landläufig so gern sagt, das ist am Samstag in Delmenhorst gleich auf mehreren Ebenen belegt worden. Die Komödie „Kerle im Herbst“ stand an einem Tag auf dem Programm des Kleinen Hauses, für den der Begriff goldener Oktober erfunden wurde. Sonne und Herbstlaub in tausend Farben. Mit Horst Janson („Der Bastian“, 81), Christian Wolff („Forsthaus Falkenau“, 78) und Hans-Jürgen Bäumler („Salto Mortale“, 74) standen zudem drei gut gereifte und TV-bekannte Schauspieler auf der Bühne, die ebenfalls sinnbildlich für einen goldenen Herbst stehen können. Auf der dritten Ebene sind es dann die drei Protagonisten des Stücks, die alten Schulfreunde Manfred (Janson), Rolf (Bäumler) und Wolfgang (Wolff), allesamt Ende 70, die ihr Rentnerdasein in einer Art WG auf Mallorca sich kabbelnd genießen – und die sich, jeder auf seine doch unterschiedliche Art, noch immer für ganz tolle Kerle halten.

Komödie wie auf den Leib geschrieben

Autorin Katrin Wiegand hat eine Komödie geschrieben, die wie gemacht ist für die drei Schauspieler – und die den Themen Altern, Männlichkeit und Tod so manch passablen Gag abgewinnt, mitunter auch durchaus schwarzhumorig. Von Schlepphoden ist die Rede, von hohen Cholesterinwerten, möglichen Herzinfarkten, der lebensverlängernden oder -verkürzenden Wirkung von Sport und von verblassenden Erinnerungen an Sex.

Es sind dann vermeintliche Briefe der einstigen Schulfreundin Karin, „das hübsche zarte Wesen mit den langen Beinen“, die das Trio auf Mallorca noch einmal so richtig in Schwung bringen. Die Männerfreunde gestehen sich nach und nach, dass sie alle mal rund ums Abi etwas mit Karin hatten, selbst Wolfgang, von Wolff in rosa gekleidet und mit manchmal kieksender Stimme gespielt, der eigentlich schon zeitlebens „vom anderen Ufer“ ist.

Wer ist der Vater?

Und plötzlich wird klar, einer der junggebliebenen Rentner mit den zwickenden Knochen ist kurz nach dem Abi unwissend Vater geworden. Spätes Vaterglück! Doch die Geschichte hat noch einige Wendungen parat, Karin ist bereits verschieden, die eben noch frische Tochter ist ihr ebenfalls schon gefolgt. Dafür ist die Enkelin (gespielt von Sarah Jane Janson, im wahren Leben Tochter von Horst Janson), inzwischen schwanger, näher als die drei Männer denken. Sie wacht als Haushälterin Dani über Blutdruck und Cholesterinspiegel der Männerfreunde. Und prompt sind Manfred, Rolf und Wolfgang direkt bei der Geburt dabei und werden: Urgroßvater.

Langer und dankbarer Applaus

Das Publikum im voll besetzten Kleinen Haus, fast durchgängig in einem Alter, in dem man tief im Thema Lust und Last des Seniorendaseins steckt, spendete am Ende lang anhaltenden Applaus für einen Abend, der leichte und zumeist kurzweilige Unterhaltung bot – und ein wenig sicher auch für das Lebenswerk von Janson, Bäumler und Wolff, die allesamt beachtliche und vor allem langlebige Karrieren hingelegt haben. Ein Sonderlob gebührte zudem der Ausstattung, für die Thomas Pekny verantwortlich zeichnete.