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„Chic im Sozialismus“ Neue Ausstellung zeigt DDR-Mode in Delmenhorst

04.09.2015, 22:14 Uhr

Einen Mantel für ein Monatsgehalt – das war in der DDR zwar verschmerzbar, aber weniger trendig. Über ihre Mode informiert eine neue Ausstellung im Nordwestdeutschen Museum für IndustrieKultur. Sie öffnet am morgigen Sonntag.

Die Quizfrage wartet sinnigerweise nicht am Ende, sondern eingangs der Ausstellung auf den Gast: „Ost oder West: Können Sie’s erkennen?“, steht dort über sieben Damenkleidern geschrieben. Um es vorwegzunehmen: Wer nicht gerade eine Diplomarbeit über die Mode der DDR im Vergleich zu jener Westdeutschlands geschrieben hat, wird es kaum schaffen, alle sieben Kleider richtig zuzuordnen. Der Besucher der Sonderausstellung „Chic im Sozialismus“, die am Sonntag, 6. September, im Nordwestdeutschen Museum für IndustrieKultur anläuft und bis Sonntag, 11. Oktober, zu sehen sein wird, soll sich vorurteilsfrei ein Bild von der Mode der DDR machen – daher das schwere Quiz zum Auftakt.

Regime favorisierte Begriff „Bekleidungskultur“

Wobei das Wort „Mode“ in den Anfangsjahren der Deutschen Demokratischen Republik noch verpönt gewesen ist, weiß Kuratorin Barbara Würnstl. Das Regime favorisierte den Begriff „Bekleidungskultur“; jene des Sozialismus sollte eben nicht kommerziellen Moden unterworfen sein. Gute Kleidungsstücke hatten sich vielmehr durch Langlebigkeit auszuzeichnen und waren entsprechend teuer. So konnte ein guter Mantel aus einem „Exquisit“-Laden schon einmal mit einem ganzen Monatsgehalt zu Buche schlagen – ein allerdings dennoch verschmerzbarer Preis, lagen die Warmmieten in der DDR doch bis zuletzt zwischen 50 Pfennig und einer Ost-Mark pro Quadratmeter, wie Jürgen Lüdtke erklärt. Aus Lüdtkes privater Sammlung stammen sämtliche Kleidungsstücke, die in der Ausstellung zu sehen sind. Generell, so Würnstl, habe es den Bürgern der DDR weniger an Kaufkraft gemangelt als an verfügbaren Konsumgütern.

Die Levis 501 war der Star unter den Kleidungsstücken

Das Museum hat die Schau aus Hochzeits- und Arbeitsanzügen, Küchenschürzen, Uniformen, FDJ-Blusen und Trainingsanzügen mit erläuternden Texten sowie mit Zeitzeugen-Zitaten angereichert. So steht über dem Bild einer Netztasche aus den 80er Jahren geschrieben: „Meine Mutter konnte gut nähen, die mir ein Kleid mit Netzstoff aus alten Männerunterhemden aufgepeppt. Damit war ich ein Star!“ Der Star unter den Kleidungsstücken blieb indes bis zuletzt die Levis 501 aus den USA, an die für das Gros der Bevölkerung nur schwer heranzukommen war: ein Engpass, der – wie die gesamte „sozialistische Bekleidungskultur“– 1989 mit der DDR endete.

Ausstellung bis zum 11. Oktober im Museum

Die Ausstellung ist bis zum 11. Oktober dienstags bis freitags und sonntags von 10 bis 17 Uhr geöffnet. Eintritt: Vier Euro, ermäßigt drei Euro.