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Chinesischer Zirkus in Delmenhorst Körperkontrolle aus dem Land des Lächelns

Von Frederik Grabbe | 12.01.2015, 17:18 Uhr

Der Chinesische Nationalcircus ist am Sonntag im Kleinen Haus in Delmenhorst aufgetreten. Die 350 Besucher erhielten einen beeindruckenden Einblick in die Welt der chinesischen Artistik.

fred Delmenhorst. Wer immer schon einmal ein Bein um die Taille eines Gegenübers zu schlingen, sich auf diese Weise an ihn festklammern wollte, um das zweite in die Höhe zu recken, der wurde am Sonntagabend im Kleinen Haus schlauer, wie dieses Kunststück zu vollbringen ist. Auch wenn für sich genommen dieser artistische Kunstgriff unnütz ist, die Akrobaten des Chinesischen Nationalcircus‘ beherrschen ihn trotzdem. Ihr Auftritt war außergewöhnlich und mitreißend.

Kulisse entführt insShanghai der 40er-Jahre

Das Bühnenbild setzte daran an, das Shanghai der 30er- und 40er-Jahre ins Kleine Haus zu bringen. Die chinesische Stadt gilt als Schmelztiegel zwischen Ost und West, zwischen Tradition und Moderne. Diese beiden Elemente ließen sich letztlich auch auf der Bühne wiederfinden, sei es in den Kostümen oder in der begleitenden Musik. Der Klang traditionell anmutender, chinesischer Saiteninstrumente wechselte sich mit modernem China-Pop ab. Auch westliche Klänge fanden ins Stück, etwa eine Cello-Version von „Nothing Else Matters“ von Metallica. Als europäischer Einfluss fungierte ein Clown, verkörpert vom deutschen Regisseur Raoul Schoregge, der im Wesentlichen für den Klamauk zuständig war. Sein tollpatschiges Spiel kontrastierte die akrobatische Anmut der chinesischen Artisten.

Eine Darstellerin hielt beispielsweise in beiden Händen sieben Stangen, an deren Enden sie je einen Teller drehte. Damit nicht genug, wand sie sich mehrfach an Boden – ohne jedoch einen der Teller zu verlieren.

An anderer Stelle ließ der Artist Liu Wen Long eine Vase über Kopf und Arme rollen und aus dem Nacken hochschnellen. Mit einer nicht unwesentlich schwereren Vase wiederholte er die Tricks, balancierte das Behältnis an dessen Kante auf dem Kopf und drehte es geschickt durch Kopfstöße. Gerade bei diesem Trick herrschte eine gespannte Ruhe im Saal, lediglich unterbrochen von Lauten des Erstaunens der Zuschauer.

Artisten begeistern durchextreme Körperkontrolle

Höhepunkt der physischen Kunstfertigkeit war der Auftritt der chinesischen Akrobatin Dou Dou. Sie balancierte auf den obersten von sechs Stühlen, die auf einem Tisch aufeinandergestellt waren. In mehreren Metern Höhe, fast schon verschwunden in der Bühnendecke des Kleinen Hauses, streckte sie, die Hände an die Stühle geklammert, die Beine mal weit über sich, mal weit neben sich, oder über den Kopf vor sich. Schon beim Auftritt zuvor hatte sie ihre Dehnbarkeit bewiesen, als sie unter anderem nach Bauchrollen vorwärts auf ihren Füßen landete oder nur gehalten von ihren Zähnen an einem Metallgestänge die Arme von sich und Beine über sich und vor den Kopf streckte.

Alles in allem bot der Chinesische Nationalcircus Kunststücke von solch extremer Körperkontrolle, dass ein Normalsterblicher, hätte er sie denn probiert, im günstigsten Fall mit einer ausgekugelten Schulter davongekommen wäre.