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City-Managerin im Gespräch „Es bewegt sich etwas in Delmenhorst“

Von Marco Julius | 04.07.2017, 16:01 Uhr

Seit Anfang März arbeitet Nicole Halves-Volmer als City-Managerin in und für Ihr Ziel: Sie will das Wir-Gefühl in der Stadt stärken.

Probleme? Gibt es nicht. Es gibt nur Herausforderungen. So könnte der Leitspruch lauten, nach dem Nicole Halves-Volmer lebt und arbeitet. Rund 125 Tage ist sie jetzt als City-Managerin Delmenhorsts im Amt. Dass der Job kein Selbstgänger ist, hat sie nicht nur geahnt, sondern gewusst, als sie ihre Stelle am 1. März antrat. „Einfach ist ja auch schnell langweilig“, sagt die 45-Jährige. Und langweilig ist ihr bislang noch nicht geworden.

Die ersten Monate hat sie genutzt, um sich einen Überblick zu verschaffen. „Ich habe Datenbanken aufgebaut, die Stadt und ihre Akteure kennengelernt, bin regelmäßig bei den Sitzungen der City-Kaufleute dabei“, sagt Halves-Volmer. Was für den Einzelhandel gilt, wenn man Erfolg haben will, das ist auch ihre Herangehensweise: „Der persönliche Kontakt ist unheimlich wichtig. Man muss offen auf Menschen zugehen.“ Die City-Managerin kann das. Das hat etwa Deniz Kurku, Aufsichtsratsvorsitzender der Delmenhorster Wirtschaftsförderungsgesellschaft (dwfg), unter deren Dach Halves-Volmer arbeitet, bereits bei der Vorstellung der Frau gesagt, die die Innenstadt nach vorn bringen soll.

„Viel ungenutztes Potenzial“

„Delmenhorst hat noch sehr viel ungenutztes Potenzial“, da ist sich die City-Managerin sicher. Es gebe Rahmenbedingungen, die einfach stimmen müssten. „Sicherheit, Sauberkeit, Erreichbarkeit“ seien elementare Punkte, sagt Halves-Volmer. Hinter das Thema Sicherheit macht sie einen Haken. „Beim Thema Sauberkeit gibt es wie in fast jeder Stadt auch hier Verbesserungsbedarf“, sagt sie. Es gebe leider doch überquellende Mülleimer und ein paar Schmuddelecken, die nicht sein müssten. „Die Menschen sind leider oft zu bequem“, hat sie beobachtet. Beim Thema Erreichbarkeit ist man mitten drin in der Debatte um Parkmöglichkeiten. „Das quasi zeitgleich zwei Parkhäuser abgerissen wurden, ist, auch wenn eines bereits nicht mehr genutzt wurde, sicher unglücklich für das Gefühl der Menschen. Wir müssen da jetzt eine Durststrecke überstehen, bis etwas Neues kommt.“ Dass die Stadtwerkegruppe die Bürger bei der Fassadengestaltung mitentscheiden ließ, findet sie gut.

Sanierung der Fußgängerzone wichtiger Baustein

Überhaupt sei Bewegung in der Stadt. Die Sanierung der Fußgängerzone sei ein wichtiger Baustein, um die Aufenthaltsqualität zu steigern. Dass durch die neue Pflasterung die Barrierefreiheit entscheidend verbessert werde, sei ein großer Pluspunkt. Für Ende des Jahres, wenn die Pflasterarbeiten abgeschlossen sind, kündigt sie eine Veranstaltung an, die das Ende der Bauarbeiten auch symbolisch deutlich machen soll.

Zu den Kaufleuten habe sie bereits „einen richtig guten Draht“. Zuletzt hat Halves-Volmer sich auch beim Erdbeer- und Spargelfest eingebracht. „Gemeinsam lässt sich viel bewegen“, sagt sie. Hilfestellung leistet sie zudem, wenn es darum geht, die City auch online zu vermarkten: „Einige Geschäfte haben da noch Nachholbedarf, etwa bei Veranstaltungstipps zu Schautagen.“

Bei der Wiederbelebung der Hertie-Immobilie setzt die City-Managerin auf Investor Werner Uhde (DIH). „Ich glaube an Herrn Uhde“, sagt sie, auch wenn sie um die Schwierigkeiten bei der Gewinnung von Ankermietern weiß: „Die Textilbranche expandiert derzeit nicht unbedingt.“

Gebürtige Rheinländerin versteht sich als Ideengeberin

Ihre eigene Rolle als City--Managerin umschreibt die gebürtige Rheinländerin mit dem Wort Ideengeberin. „Als solche bin ich eingekauft worden, als solche verstehe ich mich.“ Dinge anstoßen, Menschen zusammenbringen, das ist ihr Ziel. Ihr geht es auch darum, dass Wir-Gefühl zu stärken, in der Kaufmannschaft, aber auch bei den Bürgern. „Es hat mich schon überrascht, wie schlecht viele Delmenhorster über ihre Stadt reden. Es muss uns gelingen, da einen Perspektivwechsel hinzubekommen. Die Menschen sollen neugierig auf ihre Stadt sein, sie sollen sich in ihr wohlfühlen.“ Daran arbeitet sie auch mit der Facebook-Seite „Delmenhorst City“. „Wir brauchen gerade für junge Menschen Aktionen, die dazu führen, dass sie ihre Stadt schätzen.“

Ein Punkt dabei könne sein, „die Flusslage noch besser herauszuarbeiten“. Es gebe schöne Plätze an der Delme und der Kleinen Delme, die noch ungenutzt seien. Ungenutzt ist auch ein gutes Stichwort. Thema Leerstand. Halves-Volmer hat ein Leerstandskataster erarbeitet. Wo stehen Ladenflächen frei? Wem gehören sie? Und sie entwickelt Ideen für die Zwischennutzung. Da ihr Budget klein ist, setzt sie vor allem auf hiesige Kulturschaffende. „Die könnten die leeren Ladenflächen vorübergehend bespielen“, betont sie. Als Vermittlerin wird sie gern tätig. Auch kleine Aktionen könnten große Erfolge erzielen. Sie nennt etwa das Baustellenquiz, das kürzlich unter ihrer Regie angeboten wurde und auf gute Resonanz gestoßen sei.

Luft nach oben

Für die City wünscht sie sich zudem mehr Straßencafés. Auch beim Thema Mittagstisch sei durchaus noch Luft nach oben. „Alles, was die Aufenthaltsqualität erhöht, ist gut für die Innenstadt.“ Daher sei für Delmenhorst auch das Thema Wohnen in der Innenstadt von wachsender Bedeutung.

Nicole Halves-Volmer vermittelt den Eindruck, in Delmenhorst angekommen zu sein. Sie sagt zwar, man brauche ein Jahr, müsse einmal alle vier Jahreszeiten miterlebt haben. Den Herausforderungen einer Stadt, die ihre Rolle zwischen Bremen und Oldenburg noch finden muss, stellt sie sich aber bereits.