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City-Parkhaus 1973 erbaut Ein Betonkasten aus den 70er Jahren verschwindet

Von Dirk Hamm | 04.02.2017, 09:45 Uhr

Die Abrissarbeiten stehen bevor, ein von vielen Delmenhorstern regelmäßig genutztes Bauwerk gehört damit bald der Vergangenheit an: Das City-Parkhaus am Stadtwall verschwindet aus dem Stadtbild.

Und soll durch eine komfortablere, optisch ansprechendere und besser erreichbare Hochgarage ersetzt werden. Bis dahin müssen sich viele Delmenhorster und Einpendler, die in die Innenstadt streben, woanders auf die mühselige Suche nach einer Parklücke machen.

Dabei hat es in den 70er Jahren noch erhebliche Zweifel daran gegeben, ob das Parkhaus denn auch zufriedenstellend ausgelastet sein könnte, als der wenig Freundlichkeit und Wärme ausstrahlende Betonkasten sich gerade in die Silhouette am Hans-Böckler-Platz eingefügt hatte. Gar als „volkswirtschaftlichen Unsinn“ bezeichnete der Delmenhorster Kaufmann Ernst Flocke, damals Vizepräsident der Oldenburgischen Industrie- und Handelskammer, im Jahr 1974 die Situation, dass das über 600 Stellplätze verfügende öffentliche Gebäude von den Autofahrern kaum genutzt wurde.

Hochgarage Teil einer ehrgeizigen City-Planung

Das City-Parkhaus war Bestandteil einer buchstäblich höher strebenden innerstädtischer Bauplanung in den 60er und 70er Jahren. Als die Stadtverwaltung im Jahr 1972 den Entwurf eines Änderungsplans für das Areal zwischen Marktstraße, Langer Straße, Gartenstraße und Hans-Böckler-Platz vorlegte, waren darin unter anderem auch ein 15-geschossiges Hochhaus an der Ecke Marktstraße/Lange Straße und eben eine Hochgarage zwischen der Bebauung der Langen Straße und dem Hans-Böckler-Platz verankert worden.

Auch das Karstadt-Parkhaus entstand im Jahr 1973

Im März 1973 wurde mit dem Bau des Parkhochhauses begonnen. Ende September konnten die Stahlkonstruktionen für die beiden Fußgängerbrücken zu den ebenfalls neu entstandenen Wohn- und Geschäftshäusern City-Center und Kaufpark montiert werden. Am 20. Dezember rollten die ersten Autos in das fertiggestellte Bauwerk. Ebenfalls im Jahr 1973 wurde das damalige Karstadt-Parkhaus an der Bebelstraße gebaut, das derzeit dem Erdboden gleichgemacht wird.

Verkaufsfläche in der City verdoppelte sich nahezu

„Mit den imposanten Gebäuden und Geschäftshäusern, die in der letzten Zeit im Herzen der Stadt entstanden sind, rundet das Parkhaus am Rande des Hans-Böckler-Platzes ein Bild ab, das keinen Vergleich mit anderen Städten gleicher Größe zu scheuen braucht“, hieß es im Delmenhorster Kreisblatt am Tag der Eröffnung. Die mit dem Neubau geschaffene Parkfläche sei dringend benötigt worden, da mit den diversen Großprojekten in der Innenstadt die Verkaufsfläche der Geschäfte nahezu verdoppelt wurde.

Parkhaus lange Zeit nicht ausgelastet

„Auch in anderen vergleichbar großen Städten sind damals solche Kästen gebaut worden. Man wollte schnell expandieren“, sagt Franz Cromme, von 1971 bis 1977 Stadtdirektor und dann bis 1986 Oberstadtdirektor in Delmenhorst, im Rückblick. Im Vergleich zu heute sei der Fahrzeugbestand aber noch deutlich geringer gewesen, was mit dazu beigetragen habe, dass das Parkhaus lange nicht ausgelastet war.

So ist die ursprünglich vorgesehene Option, in einem zweiten Bauabschnitt Raum für mehr als 250 Fahrzeuge zusätzlich zu schaffen, später dann nicht verwirklicht worden. 1982 wurde gar die Idee diskutiert, das oberste Parkdeck als Wohnraum umzugestalten.