Ein Angebot der NOZ
Ein Artikel der Redaktion

Come-Together-Cup Tumulte: Schiedsrichter brechen Delmenhorster Integrationsturnier ab

Von Frederik Grabbe | 08.07.2017, 17:57 Uhr

Gebrüll, Geschrei, Beleidigungen: Weil die Schiedsrichter die Sicherheit des Integrations-Fußball-Turniers nicht mehr gewährleistet sahen, haben sie am Samstag den Come-Together-Cup des KPR abgebrochen. Gewalt hat es aber wohl nicht gegeben.

Am Ende konnten die Schiedsrichter nach eigener Aussage die Sicherheit nicht mehr gewährleisten: Das integrative Fußballturnier, der Come-Together-Cup, ist am Samstagnachmittag gegen 14 Uhr frühzeitig nach Tumulten abgebrochen worden. Die Schiedsrichter sahen keine Möglichkeit mehr, das Turnier zu einem friedvollen Ende zu bringen.

Minutenlange Auseinandersetzungen

Der Turnierabbruch erfolgte nach dem Spiel zwischen den Teams „Mitternachtswölfe“ und „Afghanistan 1“, das die erste Mannschaft 3:2 gewonnen hatte. Offenbar führten gegenseitige Provokationen zu einem Tumult von rund 40 Personen, bei dem sich die zwei Parteien minutenlang angebrüllt und beleidigt haben sollen. Auch Menschen auf der Tribüne sollen daran beteiligt gewesen sein. Bei dem Turnier spielten 12 Mannschaften, das Event hätte Geflüchtete und Einheimische eigentlich näher zusammenbringen sollen. Beide betroffenen Mannschaften zählten zu den sechs Flüchtlingsteams.

Schiedsrichter sah Schlägerei, Rettungswagen rückte an – Gewalt soll es aber nicht gegeben haben

Über die Details gehen die Ansichten auseinander. Schiedsrichter Wolfgang Hoffmann vom VfL Stenum, einer von vier Schiris, berichtete von einer Schlägerei, ein Krankenwagen habe hinzukommen und einen Spieler behandeln müssen. Ein Spieler der „Mitternachtswölfe“ sprach von einem Schubser, der Kratzer auf seinem Rücken hinterlassen habe. Das andere Team bestreitet dies jedoch. Eine Schlägerei sahen auch andere Beobachter nicht, der behandelte Spieler habe wegen Entkräftung umsorgt werden müssen, sagte Ruth Steffens, Geschäftsführerin des Kommunalpräventiven Rats, der das Turnier mitverantwortet hat. „Die Sicherheit konnte nicht mehr gewährleistet werden. Darum mussten wir das Turnier abbrechen“, sagte Schiedsrichter Hoffmann.

Beleidigungen haben im Sport nichts zu suchen

Steffens zeigte sich sichtlich enttäuscht über den Vorfall. „Bis zu dem Moment war es ein total schönes Fußballturnier, das von Fair-Play geprägt war.“ Als dann der Tumult ausbrach, seien die beteiligten Mannschaften sehr emotional, die Stimmung explosiv gewesen. Oberbürgermeister Axel Jahnz, Schirmherr des Turniers, teilte auf Anfrage mit: „Ich davon überzeugt, dass der Abbruch des Turniers gerechtfertigt war. Beleidigungen und andere verbale Formen von Entgleisungen haben im Sport nichts zu suchen.“

Teambetreuer bedauern den Vorfall

Auch Yusuf Aladag, Koordinator der Mitternachtshallen des KPR, ein Freizeitangebot für Jugendliche, aus denen das beteiligte Team „Mitternachtswölfe“ hervorgegangen ist, bedauerte den Vorfall. Er berichtete von Rivalitäten zwischen verschiedenen Nationalitäten bei den Mitternachtshallen. Bei den Mitternachtshallen kümmerten sich aus diesem Grund Honorarkräfte beispielsweise darum, bei Konflikten einzugreifen und gar nicht erst Gewalt aufkommen zu lassen. „Vielleicht sollte man beim nächsten Turnier die Mannschaften besser durchmischen, um Streit zu vermeiden“, schlug er vor. „Die Leidtragenden sind nun die anderen Teams, die nicht beteiligt waren. Das tut mir sehr leid.“

„Ausschluss der Mannschaften hätte ausgereicht“

Auch Rahim Mirwais, seit drei Tagen Betreuer des Teams Afghanistan 1, bedauerte den Vorfall. „Bis dahin war der Tag total gelungen. Die Spieler der zwei Mannschaften kannten sich, scheinbar hat sich da in der Vergangenheit Frust aufgestaut.“ Bei allen Emotionen im Fußball jedoch müsse das eigene Verhalten im Rahmen bleiben. Einen Turnierabbruch hätte es aber nicht geben müssen. „Handgreiflichkeiten habe ich nicht gesehen. Man hätte beide Mannschaften ausschließen sollen, das wäre die bessere Lösung gewesen. Dennoch wolle er den Vorfall im Team besprechen und versuchen, das Problem zu lösen, sagte Mirwais. Aladag bekräftigte: „Wir haben noch viel Arbeit vor uns.“

Trotzdem soll es neue Auflage des Turniers geben

Unterdessen ist es für Steffens und Jahnz unfraglich, dass es eine weitere Auflage des Come-Together-Cups geben wird. „Ich werde mich von den Aggressionen nicht abhalten lassen, an unser Integrationskonzept zu glauben“, sagte Steffens. Diese Auffassung hatte auch Sebastian Rann vom Projekt „Demokratie leben“, dass das Turnier mit finanziert hatte. „Die Frage, die wir uns stellen müssen, ist: Wie können wir solche Vorfälle künftig verhindern?“